Editorial

Editorial November 2010

Plötzlich ging es schnell. Keine Woche nachdem die Münchner Kulturpolitik (samt Machtkämpfen und einzelnen Produktionen der Staatsoper) in der Kritikerumfrage der «Opernwelt» als «Ärgernis des Jahres» gewertet wurde, traten Kunstminister Wolfgang Heubisch und Intendant Nikolaus Bachler vor die Presse. Bahnhof für den neuen Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, dessen Name freilich schon seit Monaten hinter vorgehaltener Hand kursierte. Kirill Petrenko heißt die Perspektive, und natürlich wurde sie präsentiert als Signum kompetenter Kulturpolitik.

Schließlich hat in Bayern alles besser zu sein als im Rest der Republik. Prompt erschien in der «Süddeutschen Zeitung» die Schlagzeile vom «Wunder aus Sibirien» – als sehe man eine Wiederholung des in den dreißiger Jahren so betitelten «Wunder Karajan» voraus. Dieselbe Zeitung hatte zuvor auch den noch amtierenden Musikchef Kent Nagano in fast irrationaler Weise verherrlicht und dabei dem Medien-Image des esoterischen Querdenkers gehuldigt, statt sich mit unüberseh- und hörbaren Problemen musikalischer Kommunikation zu beschäftigen.

Nüchtern betrachtet kann Petrenko genau das, was Nagano fehlt. Der 1972 geborene Russe ist ...

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Opernwelt November 2010
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
TV-Klassiktipps November 2010

ARTE
1.11. – 0.30 Uhr
Es wird einmal gewesen sein.
Dokumentarfilm von Anca Miruna Lazarescu über John Cages Musikstück «Organ2/ASLSP».

1./17./25./29.11. – 6.00 Uhr
Garrick Ohlson spielt Chopin: Klavierkonzert Nr. 1.

1.11. – 22.05 Uhr
Janácek: Aus einem Totenhaus.
Aix-en-Provence 2007. Musikalische Leitung: Pierre Boulez, Inszenierung: Patrice Chéreau. Solisten: Olaf Bär,...

Geduld ist alles

Ein Geist schwebt über den Wassern. Im glitzernden Leibchen scheint Maura Morales aller Erdenschwere enthoben. «Ein Sturm weht», heißt es zuvor in einer Leuchtschrift, der «Engel der Verzweiflung» hängt nicht einfach in den Seilen, sondern stürzt sich wenig später mal kopfüber, mal kopfunter in ein Geschehen, das ihm am Ende nicht unbedingt gut bekommen soll.

Ein...

Wohin das Denken so treibt

Ehre sei den Provisorien. Ohne die wäre vieles im Laufe der Musikgeschichte gar nicht zustande gekommen. Strawinskys «Histoire du Soldat» beispielsweise. Eine ganze Opernästhetik basierte wortwörtlich auf einer winzigen Behelfsbühne: dem «Nudelbrett» der Darmstädter Orangerie in der überaus kreativen Ära Harro Dicks vor dem Umzug ins neue Staatstheater. Begrenzung...