Im Dunkel der Seelen

Debussy: Pelléas et Mélisande (Osnabrück)

Auch mehr als hundert Jahre nach ihrer Entstehung gehört Claude Debussys einzige Oper noch immer zu den großen Herausforderungen des Musiktheaters. Wie in Wagners «Tristan» (der in Maeterlincks Drama – Debussys Textvorlage – ständig als Bezugspunkt im Hintergrund spukt) ist auch in dieser Dreiecksgeschichte aus Liebe, Eifersucht und Tod alle Handlung nach innen verlagert. Das Dunkel, das uns zu Beginn, in der Begegnung Golauds mit der rätselhaften Kindfrau Mélisande, empfängt, lichtet sich auch am Ende, nach dem Mord des eifersüchtigen Golaud an seinem Halbbruder Pelléas, nicht.

«Ich weiß nicht, was ich sage ... Ich weiß nicht, was ich weiß ... Ich sage nicht mehr das, was ich will ...», singt die sterbende Mélisande.

Aber nicht nur die Worte versagen sich den Figuren. Auch die Musik Debussys, die über weite Strecken im Chiaroscuro verbleibt und sich kaum einmal über ein Forte erhebt, grenzt ans Schweigen und an die Stille. Hier zählt jeder Ton – scheinbar wie zufällig einsetzend und doch bewusst in den Fluss des Ganzen eingebunden, aus dem er nicht ausbrechen darf. Es ist erstaunlich, mit welcher Genauigkeit Hermann Bäumer die schwermütig singende Melancholie von Debussys ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Probebühne Paris

Ist Paris eine Musikstadt? Sicher nicht im Sinne einer Musikmetropole wie Wien, wo man über­all auf die Zeichen einer in Jahrhunderten gewachsenen, weltweit ausstrahlenden Musikkultur trifft. Paris ist einfach zu groß, zu vielgestaltig in seinen Lebensfunktionen, um der Tonkunst den Vortritt einzuräumen. Gleichwohl begegnet der Musikliebhaber dort einer Fülle...

Bauer sucht Frau

Folklore in der «Verkauften Braut»: Ja oder nein? Und wenn ja, wie viel? Und dann ist da noch die Frage nach dem Umgang mit der Komödie an sich: Smetanas Oper von 1866 stellt Regisseure offenbar vor immer größere Probleme. Im Rhein-Main-Gebiet hat zuletzt Georg Köhl in Wiesbaden eine hintergründige Emanzipationsgeschichte der Marie herausgefiltert; Stein Winge...

... Alter

Frau Baumgartner, Sie verkörpern oft Rollen, die normalerweise als ältere Frauen dargestellt werden, die Gaea in Strauss’ «Daphne» zum Beispiel oder die Amme in der «Frau ohne Schatten». Ist das nicht ein seltsames Gefühl, plötzlich so zu altern?

Wenn ich in der Maske sitze, beängstigt mich manchmal dieser Prozess. Das ist, als ob ich im Spiegel mich selbst in...