Getanzte Märchenwelt

Linz: Rameau: Platée

In Linz ist Platée nicht nur eine hässliche Sumpfnymphe, wie sie Rameau für sein «Ballet bouffon» aus dem Jahr 1745 geschaffen hatte. In der Inszenierung von Anthony Pilavachi stellt sie eine alte, schlabbrige, unförmige Kröte mit hängenden, warzigen Brüsten, fettigem, klebrigem Haar vor: bekleidet mit einer Oma-Strickjacke und mit Schwimmflossen an den Füßen.  Sie wohnt in einer Favela-Bude, die überall von grünem Glibber überzogen ist.

Welch ein Kontrast zur hehren Götterwelt, die sich einen Spaß mit der naiven Nymphe treibt, indem sie ihr vorgaukelt, kein Geringerer als der herrliche Jupiter habe sich in sie verliebt und wolle sie heiraten.

Bei der Uraufführung, die anlässlich der Hochzeit der Prinzessin Teresa von Spanien mit dem französischen Prinzen Louis stattfand, fühlte sich die Festgemeinschaft von diesem Sujet, das ursprünglich als Karnevalsbelustigung gedacht war, ganz und gar nicht amüsiert. Dummerweise konnte sich die Braut auch noch angesprochen fühlen, denn sie soll keine Schönheit gewesen sein.

Pilavachi schafft mit dem hervorragend singenden und agierenden Tenor William Saetre als Platée eine unterhaltsame Mischung aus Komik, Slapstick und getanzter Märchenwelt. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2010
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Birigit Pauls

Vergriffen
Weitere Beiträge
Jenseits der Notentreue

Es war eine glückliche Entscheidung, Andrea Marcon für Alte-Musik-Projekte an die Oper Frankfurt zu binden. Denn Marcon ist nicht nur ein hervorragender Cembalist (und Leiter eines renommierten Spezialensembles), sondern auch Lehrer an der Schola Cantorum Basiliensis, also ein erfahrener Pädagoge, der Orchestermusikern beibringen kann, was barocke Musik jenseits...

Vom Suchen und Finden der Triebe

Es ist gewissermaßen eine Annäherung von zwei Seiten. Franz Schrekers «Der ferne Klang», ein Überraschungserfolg von 1912, der den Komponisten aus dem Nichts an die Spitze der Aufführungsstatistik katapultierte. Und seine letzte vollendete Oper «Der Schmied von Gent», die bei der Uraufführung 1932 «Jude raus»-Rufe provozierte. (Da sollte Franz Schrekers tödlicher...

Groucho auf Naxos

Zunächst denkt man sich: nicht übel, das alles; aber eben auch naheliegend, das, was man im Vorspiel der «Ariadne auf Naxos» halt so macht, vielleicht beim Komponisten und dem Musiklehrer sogar allzu bewusst ausgestellt. Doch solche Gedanken werden mehr und mehr verscheucht von der Art, wie Strauss' und Hofmannsthals Schöpfung an der Opéra national du Rhin...