Zwischen Leben und Tod

Neue Mahler-Aufnahmen mit Christian Gerhaher, Elisabeth Kulman und eine Themen-CD mit Christoph Prégardien

Die Lieder Gustav Mahlers gehören, «ihrer Einfachheit zum Trotz und ihretwegen» (um Adornos treffende Formulierung zu zitieren), zum Schwierigsten im Reich der Gesangskunst. Das gilt nicht nur für die frühen Wunderhorn-Lieder, die Mahler, in Anlehnung an Schumann, ursprünglich als Humoresken bezeichnet hat, sondern selbst noch für die nach der Jahrhundertwende entstandenen Rückert-Lieder.

Ihre Naivität, ihr Schwanken zwischen Sentimentalität und Parodie, ist Ergebnis einer künstlerischen Stilisierung, Volkstümlichkeit aus zweiter Hand, und diese Wechselwirkung zwischen Idiom und Gebrochenheit weist auch der Interpretation die Richtung.

Christian Gerhaher hat für seine CD neben Stücken aus den Wunderhorn-Liedern die «Lieder eines fahrenden Gesellen» sowie fünf Lieder nach Texten von Friedrich Rückert in den originalen Klavierfassungen aufgenommen – eine Auswahl, die den gesamten Liedkosmos Mahlers vom ländlerhaften «Wer hat dies Liedlein erdacht?» bis zum visionären «Urlicht» ausleuchtet. In jedem der zwanzig Stücke dringt Gerhaher dabei bis zum Zentrum der traumhaft visionären Klangwelt vor. Berührend die Suggestivität, mit der er die weltenthobene Entrückung des «Urlichts» erfasst ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Medien/CDs/DVDs, Seite 31
von Uwe Schweikert

Vergriffen
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