Aus der Sprechblase

Brüssel/Luxemburg, Offenbach: Hélène aux Enfers

Konzertante Opern sind zwar nicht jedermanns Sache, aber eine durchaus gängige Variante. Bei Operetten ist der Verzicht auf die szenische Aufbereitung dagegen ungewöhnlich. Dass es trotzdem funktionieren kann, beweist Charlie Degottes Einrichtung von Offenbachs «Schöner Helena» unter großzügiger Amtshilfe von Orpheus in der Unterwelt und der Großherzogin von Gerolstein.



Das hat mit einer unkonventionellen Idee des Brüsseler Regisseurs (und Sohns eines berühmten belgischen Comic-Zeichners) zu tun: Rahmenhandlung und Dialoge erscheinen als pfiffige, ironische «Bande dessinée»-Sprechblasen hinter den Sängern, die wie bei einem normalen Konzert samt Notenpulten am Bühnenrand stehen. Das verleiht der Chose eine surrealistische Note, von Ferne grüßt unübersehbar Degottes Landsmann René Magritte. Es wird mit reichlich Augenzwinkern agiert, manchmal fast pantomimisch, und die auch schauspielerisch gewieften Solisten entwickeln mit wenigen Gesten und Bewegungen aus dem Stehtheater eine überaus lebendige Handlung.

Dazu hat Dirigent Patrick Davin für die Übergänge kleine, hübsche, ironisch angehauchte Klavierbegleitungen aus Offenbach-Motiven arrangiert. Dabei verbinden sich aktuelle ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Dieter Lintz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Lieder der deutschen Romantik

Matthias Goerne hat in seiner Edition von Schubert-Liedern die vierte Folge vorgelegt. Wie schon in den ersten beiden Folgen kombiniert er populäre und unbekannte Lieder zu einer bunten, sehr persönlichen Mischung – diesmal unter dem Titel «Heliopolis» Vertonungen u. a. von Gedichten Goethes, Schillers und Mayrhofers, die sich mehrheitlich, wenn auch nicht...

Etikette und Witz

Als im März 2009 am Royal Opera House erstmals die Neuproduktion von «Dido and Aeneas» über die Bühne ging, dürften die Erwartungen besonders hoch gewesen sein: Schließlich war diese Inszenierung ein zentraler Bestandteil der Festivitäten, mit denen England den 350. Geburtstag seines Nationalkomponisten Henry Purcell beging. Dass man die Regie dem Choreografen...

Auf gehobenem Niveau verfehlt

«Ich habe viele, viele, sehr viele schlechte Libretti in meinem Leben gelesen, doch ich habe noch nie ein so idiotisches Libretto wie dieses gelesen. Die Musik wird auf jeden Fall wunderschön sein», schrieb der alte Giuseppe Verdi an Giulio Ricordi über Mascagnis «L’amico Fritz». Und er stand mit diesem Urteil nicht allein. Man fragte sich damals allgemein, ob die...