Liebe, Krieg und Sardellen
Es ist schon etwas anderes, wenn die amerikanische Flagge mit ihrem Versprechen von Freiheit für jedermann im Opernhaus einer Stadt erscheint, deren Flughafen «George Bush» heißt, und wenn die «Stars and Stripes» immer dann aus dem musikalischen Fluss auftauchen, wenn auf der Bühne gelogen wird: Die «Butterfly»-Inszenierung, mit der Francesca Zambello vor sechs Jahren an der Houston Grand Opera eine ihrer besten Arbeiten gelang, arbeitet mit dem Trick, dass zentrale Szenen in das amerikanische Konsulat verlegt werden, wo die japanische Bevölkerung als Bittsteller auftritt und Kollabor
ateur Goro seine einträglichen Vermittlungsgeschäfte betreibt. Im klaren Bühnenbild von Michael Yeargan wirkt das gänzlich unaufdringlich und spricht doch die deutliche Sprache der Wahrheit – eine kluge Form der Aktualisierung.
Das Haus hat die Inszenierung zum Auftakt seiner Jubiläumssaison wieder aufgenommen und für DVD aufzeichnen lassen. Patrick Summers, Musikchef seit fünf Jahren, dirigiert unspektakulär, bevorzugt langsame Tempi, setzt lieber auf Intensität. So wird dem Stück jedwede Sentimentalität ausgetrieben, und es erglüht von innen. In Patricia Racette hat Summers eine bewährte Partnerin ...
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Heutzutage ist Wilhelm Kienzls einst erfolgreicher «Evangelimann» eine echte Rarität. Dabei hat der Zweiakter um den kinderchorverstärkten Hit «Selig sind, die Verfolgung leiden» durchaus musikalische Qualitäten. Von dialogischer Klangrede über das atmosphärische Streicherweben bis hin zu den singspielhaften, gar operettigen Anklängen der Kegelszene werden die...
in Mann wie Schönbergs Moses hat es heute doppelt schwer. Nicht nur, weil es ihm, der Gottes Stimme vernommen zu haben glaubt, immer dann die Sprache verschlägt, wenn er die Botschaften des Allmächtigen unters Volk bringen will. Und auch nicht allein, weil diese Sprachnot aus der Überzeugung resultiert, dass absolute, himmlische Wahrheiten ihre Unschuld verlieren,...
Glücklicher Kalaf: Er hat nur drei Rätsel zu lösen und darf sich danach am Ziel wähnen. Armer Zuschauer: Er wird in Günter Krämers neuer «Turandot»-Inszenierung mit Rätseln zugeballert und ist am Ende keineswegs aufgeklärt. Unterstellen wir mal, dass sich Krämer vieles genau überlegt hat. Doch ächzt diese Aufführung bis zum Schluss unter der Fülle ungelöst...
