Das Sofa des Schicksals
Da hilft kein Fleckenteufel: Am Ende ist das weiße Sofa nicht weniger blutüberströmt als jene, die auf ihm lebten, liebten und starben. Dass Philipp Himmelmann kein Möbelschoner ist, hat er schon in seiner Berliner «Don Carlo»-Inszenierung bewiesen, wo Spanien an, auf und unter einem Esstisch regiert wurde. In der Heimat des Regisseurs muss nun ein Viersitzer dran glauben, um die verwickelten Folgen der Verdi’schen Schicksalsmächte entwirren zu helfen. Wie eng beide Werke zusammenhängen, zeigt nicht zuletzt die konzeptionelle Ähnlichkeit dieser Wohnzimmerversionen.
Dass das Konzept bei der Bonner «Forza» konsequenter greift als beim Berliner «Carlo», mag an dem lockerer geknüpften politischen Geflecht des Stücks liegen, das denn auch nicht im Vordergrund der Inszenierung steht. Himmelmanns Blick gilt vor allem den inneren Regungen der Figuren, die weniger des Schicksals wegen als eher durch emotional unbewältigte Zufälle gegeneinander anrennen. Dass Himmelmann hierzu kaum mehr als besagte Sitzgelegenheit braucht, unterstreicht seine Fähigkeit zur konzentrierten Personenführung und einen unter Regisseuren seltenen Sinn für Ökonomie.
Was nach und nach aus dem Schnürboden auf die leere ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die erfreuliche CD-Renaissance des kanadischen Sängerehepaares Léopold Simoneau (*1916) und Pierrette Alarie (*1921) fördert weiterhin Neuigkeiten zutage. MDV Classics ist bei seinem zweiten diesem Paar gewidmeten Recital abermals beim Südwestfunk Baden-Baden fündig geworden, aber auch bei der Amsterdam Philharmonic Society. Viele Titel, etwa die Arien des Don...
Virtuos ist diese Musik nicht, weil sie dem Orchester Virtuoses abverlangt. Das tut sie sowieso. Virtuos ist, wie sie zwischen der unerträglichen Leichtigkeit des Seins und der nicht weniger unerträglichen Ernsthaftigkeit des Scheins pendelt. Es ist ja, auch wenn man es oft lesen kann, nicht so, dass Schostakowitsch seine Titelheldin nur oder vor allem auf die...
In Tippetts letzter, in Deutschland noch nie aufgeführter Oper «New Year» (Neujahr) betritt die Anti-Heldin Jo-Ann laut Szenenanweisung die Bühne, «als ob sie von der Gewalt der Klänge draußen hereingeweht» wird. Die brutale, mit elektro-akustischen Effekten und reichlich Schlagwerk angereicherte Musik verebbt und weitet sich zu einer Gesangskantilene. «Safe,...
