Großes Musiktheater als Heimkino

Aufführungen aus Barcelona, Paris, München und Mailand auf DVD

Seit dem Wiederaufbau des abgebrannten Hauses (1999) sucht das Gran Teatre del Liceu in Barcelona wieder in der Ersten Liga der internationalen Opernhäuser mitzuspielen. Einige jetzt auf DVD veröffentlichte Aufführungen sind da durchaus Erfolg versprechend, auch wenn es sich zumeist um eingekaufte Produktionen handelt.


Rossinis Krönungsoper «Il viaggio a Reims», die, anlassbedingt, nach nur wenigen Vorstellungen vom Spielplan verschwand und später vom Komponisten im «Comte Ory» in großen Teilen recycelt wurde, inte­ressiert in jüngster Zeit die Theater und Regisseure wieder neu, obwohl oder gerade weil es sich dabei gar nicht um eine richtige Oper handelt, eher um eine abendfüllende szenische Kantate bzw. eine große Nummernrevue. Nach Luca Ronconi (Wien) und Dario Fò (Stockholm) hat sich in Barcelona Sergi Belbel des Stücks angenommen, ohne seinen Regie-Ehrgeiz allzu hoch zu schrauben (siehe OW 5/2003). Er zelebriert den Stillstand der Nichthandlung (internationale Kurgäste warten auf die Abreise nach Reims, die dann gar nicht stattfinden kann, und vertreiben sich die Zeit mit Gesang und Liebeshändeln), mischt sie mit einigen hübschen Einfällen auf (am schönsten die Paro­die des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Platten, Seite 56
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das zirkushafte Moment der Gefahr

Schauspieler, Dramaturgen, Dirigenten, Komponisten, Cineasten, Humoristen, Psychologen, Schriftsteller inszenieren Oper. Ist der Opernregisseur jemand, der nicht weiß, welchen Beruf er verfehlt hat?
Speziell hier in England, wo die Kunst gern diesen muffigen Geruch von Amateuraufführung und Gemeindesaal annimmt, lieben wir die Quereinsteiger. Etwa, wenn ein...

Mozart: Die Entführung aus dem Serail

Die Zuschauer auf den Plätzen vorne links, sonst bestens bedient, haben diesmal das Nachsehen: Anthony Pilavachi stellt ihnen ein Fernsehgerät vor die Nase und verbaut ihnen, da seine Personalregie der Bodenakrobatik verpflichtet ist, einige der interessantesten Einsichten – etwa, wie nahe sich Konstanze und der Bassa denn nun wirklich kommen. Schade, denn die...

Nie war so viel Lärm wie heute

In vielen Dingen war Christian Morgenstern ein Prophet. Vor hundert Jahren dichtete er: «Die Luft war einst dem Sterben nah: ‹Hilf mir, mein himm­lischer Papa!› Der Herr, sich scheuend vor Blamage, erfand für sie die Tonmassage, wobei die Luft famos gedeiht...» Die Tonmassage hat sich aber erst lange nach Morgensterns Tod auf das Präch­tigste entfaltet und wird...