Musikalische Sternstunde

Wien, Staatsoper, Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk

Gewisse Worte, sagt uns der Volksmund, seien wie Zahnpasta: einmal draußen, bringt man sie nicht mehr in die Tube zurück. Das musste auch der neue Direktor des Wiener Burgtheaters Matthias Hartmann erfahren, als er seine Antrittspressekonferenz mit dem markigen Ausspruch: «Sie wollen das Beste. Sie verdienen das Beste. Sie kriegen das Beste» befeuern wollte. Prompt fiel ihm der Satz auf den Kopf. Denn die Eröffnungspremiere mit beiden Teilen von Goethes «Faust» erfüllte die Erwartungen nicht, und auch in der Folge gab es manch Zwiespältiges.

Nun hatte Staatsoperndirektor Ioan Holender den Kollegen vom Burgring zu sich geladen, damit dieser sich an Dmitri Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» versuche. Natürlich wollte und verdiente man auch an der Staatsoper das Beste, aber das lieferten bei «Lady Macbeth» nicht Hartmann und sein Regieteam, sondern Angela Denoke als mitreißende Titelheldin und der Dirigent Ingo Metzmacher.

Die Inszenierung verharrt im elegant Konventionellen. Sie baut auf klare, kühle Räume: Zwei auch als Filmleinwand fungierende Wände begrenzen eine kahle Spielfläche (Bühnenbild: Volker Hintermeier), auf der die Aktionen der triebgesteuerten Protagonis-
ten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2009
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhart Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ein Stück für Kenner

Bis heute ist Verdis «Simon Boccanegra» ein Stück für Kenner geblieben. Wunschkonzertmelodien wird man hier vergeblich suchen, dafür aber mit einer im Werk des Komponisten beispiellosen Kompromisslosigkeit konfrontiert. Erreicht hat Verdi sein Ziel erst im zweiten Anlauf, als er die erfolglose Oper 1881, 24 Jahre nach ihrer Uraufführung, mit der dramaturgischen...

Todesvogel wider Willen

Giovanni Simone Mayrs 1813 in Neapel uraufgeführte Opera seria «Medea in Corinto» zeigt nicht nur eine rächende Kindsmörderin, das Stück kehrt auch die zarten Seiten der Figur hervor. Regisseur David
Alden übersetzt in St. Gallen ihre reichen Facetten in starke Bilder. Im Finale des ersten Akts ist Medea als schwarzer Todesvogel verkleidet, setzt eine Krähe auf den...

Bunte Endzeit

«Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein», singt Sophie am Schluss ätherisch weltentrückt, als könne sie selbst noch nicht ganz fassen, was mit ihr geschehen ist. Für Stefan Herheim ist die halb imaginäre, halb reale Welt, die Hofmannsthal und Strauss in ihrer «Komödie für Musik» zu einem kunstvollen Ganzen ineinandergefügt haben, Traumtheater – ein modernes...