Oper contra Film

Petitgirards «Elefantenmensch» konzertant und szenisch auf CD und DVD

Opernwelt - Logo

Joseph Merrick, den Elefantenmenschen, hat es gegen Ende des 19. Jahrhunderts wirklich gegeben. Er litt an einer genetisch bedingten Nervenkrankheit, die sein Äußeres derartig entstellte, dass er seinen Le­bens­unterhalt in den seinerzeit sehr popu­lären Freakshows verdienen musste. Mit siebenundzwanzig Jahren ist er, wahrscheinlich aus freien Stü­cken, gestorben. Seine tra­gische Geschichte wurde 1980 von David Lynch mit einer hochkarätigen Besetzung (John Hurt, Anthony Hopkins, Sir John Gielgud und Anne Bancroft) erfolgreich verfilmt.


Anderhalb Jahrzehnte später machte sich der französische Komponist Laurent Petit-girard (*1950) an eine Opernversion des Stoffes, die 1999 in Monte-Carlo konzertant und drei Jahre später in Prag (Koproduktion mit Nizza) szenisch uraufgeführt wurde. Naxos hat jetzt die konzertante Fassung auf CD, die szenische unter dem Label Marco Polo auf DVD herausgebracht.
Die Oper lebt nicht, wie man argwöhnen könnte, von den Zinsen des Kinofilms, sondern geht ihre eigenen Wege. Während Lynch sich auf die Aufzeichnungen des Arztes Dr. Treves stützte, legt Eric Nonn dem Lib­retto Merricks eigene Biografie zugrunde. Das führt zu einem kritischeren Blick auf die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Platten, Seite 56
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ravel: L'Enfant et les Sortilèges / Henze: Das Wundertheater

Osnabrück koppelte Henzes selten gespielten Opernerstling «Das Wunder­theater» und Ravels musikalisches Märchen «L'Enfant et les Sortilèges» zu einem originellen Doppelabend. Henze hat in der 1948 uraufgeführten Kam­mer­oper (gespielt wurde die Fassung für Sänger aus dem Jahr 1964) geschickt den von Cervantes stammenden Text mit einem politischen Widerhaken...

Mozart: Idomeneo

Von Mozarts «großen» Opern ist «Ido­meneo» sicherlich die am schwersten zu realisierende. Eine dem Theater Augsburg vergleichbare Bühne, das Münchner Gärtnerplatztheater, setzte vor Jahresfrist mit großem Erfolg auf japanische Abstraktion in Bühnenbild, Kostümen und Gestik (Claudia Doderer). In Augsburg nun wollte Thomas Mittmann – der bereits hervorragende...

Hommage an eine gefährdete Kunst

Als der chinesische Schauspieler, Sänger, Tänzer und Regisseur Chen Shi-Zheng vor sechs Jahren am New Yorker Lincoln Center die vier Jahrhunderte alte Oper «Der Päonien-Pavillon» auf die Bühne brachte, ein ursprünglich fünf­undfünfzig (!) Akte umfassendes Werk des chinesischen Monteverdi-Zeitgenossen Tang Xianzu (1550-1616), kam dies in der westlichen Musikwelt...