Opernsprengmeister a. D.
Zur Feier des 80. Geburtstages von Pierre Boulez ist es ein Vergnügen, den «Spiegel» von 1967 (Nr. 40, 25. September) herauszusuchen. Schließlich ging dessen legendärer – einer redaktionellen Überspitzung entsprungener – Interview-Titel «Sprengt die Opernhäuser in die Luft!» in die Musikgeschichte ein. Was Boulez da sagte, ist nicht nur sehr unterhaltsam («Henze ist wie de Gaulle, er kann jeden Mist machen, er glaubt, daß er immer König ist»), sondern hat auch an prinzipieller Stichhaltigkeit nichts eingebüßt.
Der französische Komponist und Dirigent beklagte sich dort während Bayreuther «Parsifal»-Proben über den modern getarnten Konservatismus des Opernbetriebs, den er Komponisten (Henze), Intendanten (Liebermann) und Regisseuren (Zeffirelli) vorwarf. Doch neben dem Hinweis, dass sich hier «die chinesischen Rotgardisten nach Herzenslust austoben» könnten, vergaß er auch konstruktive Anregungen nicht. Viele seiner unerbittlichen Forderungen sind inzwischen Gemeingut geworden – etwa eine Entstaubung des klassischen Repertoires oder das Experimentieren neuer Formen auf speziellen Bühnen. Jüngere Werke von Eötvös, Lachenmann oder Neuwirth dürften Boulez’ kompositorischen ...
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