Kleinstadtkomödie

Neuburg, Raimondi: Der Fächer

Ein Komponist, den kaum ein Opernführer auch nur zu nennen weiß: Pietro Raimondi, 1786 in Rom geboren und dortselbst 1853 als Kapellmeister der Peterskirche gestorben. Dabei hat er sich schon rein quantitativ mit seinen – laut Riemann – 62 Musiktheaterwerken zumindest in die Annalen der italienischen Bühnen eingetragen. Seine von der Neuburger Kammeroper als deutsche Erstaufführung präsentierte Opera buffa «Der Fächer» von 1831 ist in Italien denn auch bis etwa 1875 häufig gegeben worden.


Das Stück, das auf eine der zahlreichen Erfolgskomödien des Venezianers Carlo Goldoni zurückgeht, führt mitten hinein in das quirlige Treiben auf der Piazza einer italienischen Kleinstadt, die der auf der Bühne des anheimelnden Neuburger Biedermeiertheaters immer wieder mit hübschen Miniaturen aufwartende Ausstatter Ulrich Hüstebeck in verblüffender Spielzeugschachtelmanier gezaubert hat. Don Evaristo, ein etwas zögerlicher Liebhaber (von Sebastian Schmid couragiert gesungen), möchte das titelgebende Corpus delicti seiner Angebeteten zukommen lassen, wählt aber aus Angst vor Klatsch und Tratsch den Umweg über die junge Barbarina (mit kecker stimm­licher Brillanz: Yvonne Steiner) und tritt damit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2008
Rubrik: Festspiele II, Seite 58
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schotten ohne Schotter

Geiz ist doch geil! Bei seiner Inszenierung von François Boieldieus «Die weiße Dame» spart Axel Köhler ein Drittel der schottischen Schauerkomödie – und tut damit das einzig Richtige. Um die 1825 uraufgeführte opéra comique für das Publikum von 2008 zu retten, muss man rigoros in Libretto und Partitur eingreifen. Also ersetzt der als Countertenor wie Regisseur...

Schön erzählt

Wer kann, der kann. Kopenhagen hat in den vergangenen Jahren mit durchweg haus­eigenen Kräften einen «Ring» auf die Beine gestellt, der länger in Erinnerung bleiben wird als so manche Bayreuther Produktion nach Chéreau. Der dänische Regisseur Kasper Bech Holten erzählt die verschlungene, über Generationen wirkende Geschichte als Rückblende aus der Sicht...

Nach Sonnenfinsternis

Die exorbitanten Benzinpreise hatten offenbar auch viele sonst im eigenen Gefährt anreisende Besucher des Festivals von Glyndebourne dazu veranlasst, wie in alten Zeiten den Zug zu benutzen. Auf jeden Fall war der oben beim Ausgang der pittoresken Bahnstation von Lewes wartende Zubringerbus, ein geräumiger Doppeldecker, bald überfüllt und ließ etwa zwei Dutzend...