Etikettenschwindel

Sigiswald Kuijkens »Zauberflöte» in fragwürdiger Authentizität

Bis heute ist sie bei Theaterstatistiken wie Plattenkatalogen die Nummer eins. Kein Werk der Operngeschichte wird so oft aufgeführt und ist so oft aufgenommen worden wie «Die Zauberflöte». Auch die «His­torische Aufführungspraxis» hat sich ihrer längst angenommen. Arnold Östman, John Eliot Gardiner und William Christie haben ihre Versionen veröffentlicht, von «modernen» Interpretationen ganz zu schweigen. Nun legt sie Sigiswald Kuijken zur Komplettierung seiner Mozart-Aufnahmen nach.


Von «radikaler Authentizität» ist die Rede im Booklet, die innerhalb des Festivals International d’opéra baroque de Beaune in der Basilika Notre Dame aufgenommen wurde. Ein Lippenbekenntnis, denn die Dialoge sind stark gekürzt, die Tempi scheinen – wie so oft bei Kuijken – willkürlich gewählt. Wo fast alle «Zauberflöten»-Aufnahmen mit zwei CDs auskommen, benötigt Kuijken derer drei. Der dröge Gesamteindruck ist indes nicht den Musikern anzulasten, die zuweilen recht flott, durchweg transparent, klangschön und mit pointiert «dialogischer» Artikulation spielen. Schlimm sind die (trotz Kürzungen) endlos wirkenden Dialoge. Es sind gestelzte, hochpathetische Rezitationen in altmodisch «opernhaft» wirkendem ...

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Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Platten, Seite 62
von Dieter David Scholz

Vergriffen
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