Verwirrte Gefühle
Kaum vorstellbar: eine Aufführung des «Figaro» mit deutschen Dialogen oder die «Entführung» mit Secco-Rezitativen auf Italienisch. Im Falle von Mozarts «La finta giardiniera» gibt es extreme Fassungsunterschiede: Für Augsburg (1780) hat Mozart das Stück als Singspiel mit gesprochenen deutschen Texten autorisiert. Dass beide Versionen freilich nur zwei Seiten einer Medaille darstellen, konnte man nun bei der Mozart-Woche Salzburg und im Münchner Prinzregententheater erleben.
Doris Dörrie verlegt die «Finta giardiniera» (ihre zweite Mozart-Inszenierung nach dem Debüt mit «Così» in Berlin 2001) aus einem Rokokoanwesen samt Park in ein Gartencenter. Dort hat alles seinen Preis, dort etikettieren, registrieren und kontrollieren junge, smarte Verkäufer wie in Trance. Hier entwickeln aber auch die überlebensgroßen Pflanzen aus Plastik ein Eigenleben, korrespondieren Blüten, Bäume und tanzende Marmorstatuen mit den Sängern (Bühnenbild und Kostüme: Bernd Lepel). Und da verschlingt schon mal die riesige Fleisch fressende «Venus» für stolze 985 Euro einen ganzen Mann, der arg lädiert, blutüberströmt und mit zerfetzter Kleidung erst viel später wieder ausgespuckt wird.
Das ist die späte ...
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In den Tagen der Uraufführung von Aulis Sallinens Oper «Kullervo» 1992 brannten in Los Angeles, wo die finnische Nationaloper zu Gast war, die Straßen: Unter Jugendlichen brach sich die aufgestaute Frustration in Zerstörungen Bahn. Das Produktionsteam empfand damals diese Ereignisse wie einen Fingerzeig auf die Aktualität des neuen Stücks.
Sallinens Oper basiert auf...
Es gibt kein Glück auf Erden. Aber zumindest einen Trost (in) der Musik. Das ist die gemeinsame Botschaft der beiden Mozart-Premieren, die Hannovers Staatsoper pünktlich zum Jubiläum präsentiert. Zwar handelt es sich bei «Così fan tutte» und bei «Lucio Silla» um zwei Opern, die ein auskomponiertes Glücksfinale haben, doch das heißt nicht viel in unserer Zeit.
Bei...
Das Englischhorn schnulzt, begleitet von der Harfe, eine zärtliche Arietta, die Tuba stampft mit schwerfälligen Koloraturen hinterher: Um verrückte Orchesterideen ist Hector Berlioz nie verlegen gewesen. Sein Orchester trällert, flüstert, parliert und explodiert auf jede erdenkliche Weise. Und das kann so amüsant sein, dass man die menschliche Stimme dabei gar...
