Wagner: Die Walküre
Wie schon im «Rheingold» stellt Christine Mielitz bei ihrer «Walküren»-Deutung die Abrechnung mit den Überirdischen, auf die Richard Wagner das irdische Versagen menschlicher Beziehungen und Verflechtungen projiziert, in den Mittelpunkt. Mielitz’ entlarvende Regie ist politisch und gesellschaftlich klar auf heute bezogen. Manches gelingt ihr befreiend und schonungslos, anderes bleibt im Faden hängen. Unausgegoren erscheint der abstrakt gestaltete Kampf zwischen Gut und Böse. Wobei die Regie – dank Bühnenbildner Stefan Mayer – auf viel technischen Protz baut.
Ständig heben sich Vorhänge, Soffiten, fahren Scheinwerfer hoch und nieder, bewegt sich die stählerne Treppe – Burg, Felsen, Landschaft in einem. Doch so lebhaft Mielitz/Mayer die visuelle Perspektive wechseln – ein Mehr an psychologischer Dichte und Logik wird dadurch nicht gewonnen.
Im Gegenteil, man fragt sich im Laufe des langen Abends immer öfter, warum das Licht sich so schnell wandelt, warum die technischen Möglichkeiten der Bühne so strapaziert werden. Zumal sich alles um eine schwarzweiße Symbolwelt dreht, die von Gewalt und (inzestuösem) Sex beherrscht ist. Von der provokanten Schärfe brutaler Götter und Helden ihrer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Atridentragödien sind keine Sache ferner Vergangenheit. Der Tenor Deon van der Walt wurde bei einem seit längerem schwelenden Streit um die Führung seines Weingutes in Südafrika von seinem Vater erschossen, der sich danach selbst das Leben nahm. Die achtundsiebzigjährige Mutter des Sängers fand die beiden Leichen.
Van der Walt wurde siebenundvierzig Jahre alt....
Die europäische Aristokratie war die Geburtshelferin der Oper. Ohne Fürsten und Könige, die Operntheater errichteten und Aufführungen finanzierten, hätte die Gattung wohl kaum jenen Aufschwung genommen, der ihr im 17. und 18. Jahrhundert zuteil wurde. Jeder Fürst, der etwas auf sich hielt, hatte sein eigenes Theater, in dem natürlich auch Oper gespielt wurde. Dass...
Zu den heimlichen Herrschern der Opernszene gehören sie nicht. Noch nicht? Bis vor wenigen Jahren waren Sponsoren kein wirklich großes Thema für unsere Opernhäuser. Das hat sich geändert. Die Bayerische Staatsoper zum Beispiel konnte ihre Sponsoreneinnahmen seit 2001 um das Fünffache erhöhen. Und dies ist nur ein besonders signifikantes Beispiel. Je mehr sich der...
