Im Blutrausch

Hagen, Strauss: Elektra

Opernwelt - Logo

Da wächst ein großes Talent heran: Antony Hermus, seit einem Jahr GMD in Hagen. Der junge Dirigent imponierte mit «Elektra», ließ trotz kompakter Klang­attacken Raum für Steigerungen, differenzierte klug diesen «blutigen» Klangrausch, hellte zumal die wenigen «friedlichen» Momente wunderbar wie lyrisch-lichte Schneisen im mythosbeladenen Dunkel auf. Das Hagener Orchester folgte ihm ohne Probleme – bis auf die letzten Ekstasen im Finale – und landete ebenso wie das Ensemble einen großen Theatercoup.


Denn neben der orchestralen Wucht beeindruckte das hauseigene Ensemble mit bemerkenswertem Engagement. Es folgt den Strauss-Spuren fast in jeder Nuance. «Elektra» ist ein Gericht auf offener Bühne: Da stehen Kläger und Angeklagte, Opfer und Täter neben­einan­der in tödlicher, tragischer Abhängigkeit. Bestrafte Verlierer sind schließlich alle, das Ende ist nur noch Schrecken. Und der wird von Regisseur Rainer Friedemann noch gesteigert. Denn anders als der finale Tanz bei Strauss greift hier das Massensterben um sich – Orest erschießt fast alle, die ihm in die Nähe kommen. Leichen pflas­tern die Bühne. Auch Elektra sinkt tödlich getroffen zusammen.
Diese Schlussvariante sorgte für einige ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2006
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Jörg Loskill

Vergriffen
Weitere Beiträge
Beziehungsprobleme

Der «Lohengrin»-Frust sitzt offenbar tief bei Barrie ­Kosky. Während seiner Arbeit an Brittens «Sommernachtstraum» ließ er über die Medien erst mal jede Menge Wien-Schelte vom Stapel, um zu betonen, wie unvergleichlich viel freier die Produktionsbedingungen im hanseatisch aufgeschlossenen Bremen seien. Aber das Ergebnis zeigte dann, dass ein biss­chen mehr...

Armut ist keine Schande

Das Musiktheater im Revier überrascht. Die Fassade ist bestens in Schuss, und der Eindruck verstärkt sich im ­Inneren des Hauses, das seit 1959 ein Denkmal alters­loser Modernität ist. Die Kommune, obwohl von hoher Arbeitslosigkeit und leeren öffentlichen Kassen geplagt, hat ihr Theater, immer wieder kritisch beäugt vom Architekten Werner Ruhnau, nicht...

Die Crux mit den letzten Dingen

Die ewigen letzten Fragen, sie sind auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch für eine Oper gut. Nicht, dass die Mär von Doktor Faustus, in vielen Drehungen und Wendungen vom leibhaf­tigen Mannsbild des fünfzehnten Jahrhunderts (Georg Faust aus Knittlingen) zur Volkssage und schließlich zu einem der meistverhandelten Topoi der abendländischen Literatur avanciert, in...