Tschaikowsky: Eugen Onegin
Es war kein Abend des Bühnenbildners. Ein zum Käfig umfunktioniertes Bettgestell für Tatjanas Briefszene und ein schmaler Steg für das Duell sind die einzigen nennenswerten «Bauten» in David Hermanns Inszenierung von «Eugen Onegin». Es sind die Menschen, die die Bühne beherrschen: ihre Unfähigkeit sich zu begegnen, die unausgesprochenen Sehnsüchte, die individuellen Seelenqualen. Wie sehr Hermanns szenisches Experiment gelang, wichtiger noch, wie sehr das Luzerner Publikum darauf einging, zeigte sich am Ende in ungeteiltem Beifall.
Die ehemalige Intendantin Barbara Mundel wäre wohl für dieselbe Regie wenige Jahre zuvor noch angefeindet worden. Mittlerweile hat ein neues Publikum in Luzern die Lust entwickelt, auch ungewohnte, nicht auf Anhieb lesbare Inszenierungen lieben zu lernen – und zu diesem Sinneswandel hatte Mundel zweifellos beigetragen.
Dass die Choreografie zur Polonaise im dritten Akt, die im Zeitraffer sowjetisch-russische Geschichte von der Werkentstehung bis heute zeigt und am Ende mit einer echten Provokation aufwartet (nämlich einer Flagge mit Schweizerkreuz, aus dessen Balken Hammer und Sichel sprießen), Szenenapplaus erhielt, sagt viel über die Wandlungen im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein

- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein starkes Stück. Auch wenn man es mit traditionellen Mitteln auf die Bühne bringt. Wie jetzt in Lübeck, wo Regisseur Marc Adam dem Werk keinerlei Gewalt antat, sondern – konzentriert auf die Darsteller und ihre Körpersprache – Bergs «Wozzeck» als Tragödie der Beziehungslosigkeit unter den Menschen entwickelte. Der fast requisitenfreie, leere Raum als Ort, wo die...
Wenn es um der Menschheit liebste runde Sache geht, stürmt Plácido Domingo meist in der ersten Angriffsreihe. Ehedem lieferten ihm José Carreras und Luciano Pavarotti dabei vokale Steilvorlagen, doch notfalls schaukelt er das Ding auch als einzige Spitze. Drei Tage vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am 9. Juni gibt Domingo im alten Münchner...
Gut fünfzig Jahre liegen zwischen diesen beiden «Zauberflöten»: Auf der einen Seite Joseph Keilberth, dessen im Dezember 1954 entstandene Aufnahme in eine Zeit fällt, als es vor Neueinspielungen dieser Oper nur so wimmelte. So wundert nicht, dass auch für seine WDR-Produktion zum Teil jene Sänger zur Verfügung standen, die bereits zuvor unter anderem auf den...