Die zarte Seele, noch im kannibalistischen Exzess

Othmar Schoecks «Penthesilea», von Hans Neuenfels grandios auf die Bühne des Theaters Basel gewuchtet

«... und wir Männer ersehen aus diesem Stücke, wie wir durch die Weiber, im günstigsten Falle, zu Grunde gehn.» Mit diesem ironisch-zynischen Resümee beschließt Heinrich Heine in den «Memoiren des Herrn von Schnabelewopski» die Geschichte vom Fliegenden Holländer, die Wagner zu seiner gleichnamigen «Romantischen Oper» inspirierte.

Heines wahrlich witziges Paradoxon setzte, fröhlich frivol, ein Thema, das im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert zur Basis unerhörter Düsternisse und Schrecknisse, auch ästhetischer Herrlichkeiten wurde: der Liebestod, zumal des Mannes, als Erlösung im und vom Geschlechterkampf, gesteigert noch bei Otto Weininger zum «Geschlechter»-, «Frauen»- und «Selbst­hass». Zur romantischen Vision von «reiner Liebe» und «hohem Paar» gehörte auch die Negation, der Abgrund des Hasses, in den die Liebesraserei umschlägt. Solch krasser Rollen-Antagonismus ersetzte das lange obligate Bild der Frau als passiv-madonnenhafte Märtyrerin: Lucia, Violetta, Mimì, Elisabeth. Konterkariert wurde dieses Idol freilich durch die «femme fatale», die sich und anderen den Tod bringt: Carmen, Salome, Marie, Lulu.
Doch das Motiv des Hassliebe-Duells hat in Schauspiel, Oper und Film ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2008
Rubrik: Aufführung des Jahres, Seite 16
von Gerhard R. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fülle des Wohllauts

Es gibt zwei Typen von Countertenören: die herben und die lieblichen. Unter den Pionieren überwog die erste Kategorie. Ausnahme-Künstler wie Alfred Deller (aktiv: 1949-1979), Paul Esswood (seit 1965), James Bowman (seit 1967) oder René Jacobs (seit 1973) hatten – bei aller Meisterschaft und allen Unterschieden - immer einen Stich ins Grelle. Mitte der neunziger...

Regisseure des Jahres

Die Kür ist für sie nicht neu. Für keinen von beiden. Sowohl Hans Neuenfels als auch Christof Loy waren bereits «Regisseur des Jahres». Letztgenannter, ein im Vergleich zum ewigen Metaphernzauberer Neuenfels mehr als zwanzig Jahre jüngerer Asket reinsten Wassers, sogar schon zweimal. Auch in der vergangenen Spielzeit sorgten beide wieder mit extrem verschiedenen...

«...fassen Sie sich kürzer...»

Beschaut man das (Kunst)Werk und weiß um die Umstände seiner Entstehung, fühlt man sich unweigerlich an jenen berühmten Satz von Albert Camus erinnert, der das Wesen des Exis­tenzialismus in exemplarischer Form idiomatisierte: «Man muss sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen», so endet Camus’ maßstabsetzendes Buch «Der Mythos von Sisyphos». Im...