Bei Daland & Co.

Barcelona, Wagner: Der fliegende Holländer

Blutrot schießt die virtuelle Gischt in die Höhe, als die Mannschaft des Holländers, kurz vor dem finalen Show­down, ihr «Johohoe!» anstimmt. Vom Winde verweht ist die eben noch von Cheerleadern und reichlich Dosenbier animierte Partylaune der Belegschaft der Fischfabrik Daland & Co. Während das Schicksal in stürmischen Sechzehntel-Wellen über das feiernde Arbeitsvolk hereinbricht und schon alles wild durcheinander rennt, führen zwei nackte Furien aus dem Corp de Ballet hinter Glas einen erotischen Veitstanz auf.

Merke: Lust und Leid liegen dicht beieinander, wo die Lenden glühen, lodert auch das Höllenfeuer.
Sogar (und gerade) dort, wo sich die Macht des Sexus aufs Oberstübchen beschränkt – wie bei Senta. Natürlich ist ihre Obsession mit dem Holländer ein Hirngespinst. Eine idée fixe freilich, die Senta nach dem Verlust des Angebeteten («Erfahre das Geschick») vollends aus der Bahn wirft. Bis zum zweigestrichenen h treibt Wagner ihre Verzweiflung («Hier steh’ ich, treu dir bis zum Tod!»), bevor sie zum erlösenden Sprung in die Fluten ansetzen darf.
Die psychische und emotionale Energie, die das Projektionsverhältnis zwischen Dalands Tochter und dem Holländer unter Strom setzt, ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Donizetti: Lucia di Lammermoor

Der Schnee hätte fast alles verdorben. Die Darstellerin der neuen Bonner «Lucia»-Produktion schien sich eine Erkältung eingefangen zu haben, so dass ihr Mitwirken an den Proben zunehmend be­einträchtigt wurde. Dann aber erkannte man, dass kein Virus, sondern eine allergische Reaktion auf den üppig auf der Bühne ausgestreuten Kunstschnee ihre Gesundheit...

Expressive Gebärden

Für die Toulouser Neuproduktion von «Tristan und Isolde» baute Andreas Reinhardt eine dreiteilige Bühnenfläche bis nach vorn an die Rampe. Da sich der erste Akt bekanntlich auf dem Meer abspielt, wankten und schwankten die drei spitzwinkligen Formen mal weniger, mal heftiger, so dass man denken konnte, alsbald müssten die Protagonisten seekrank sein. Solche...

Zwei Ansichten

Trabuco sitzt vorn und schält Möhren für seinen Esel. Hinter ihm läuft das Volk auf und ab, hat Schutz gesucht vor dem Regen. Es ist eine böse Zeit. Krieg im Land.
Dietrich Hilsdorf hat erneut eine Verdi-Oper fürs Essener Aalto-Theater in­szeniert. «La forza del destino» bildet die siebte von insgesamt elf Produktionen. Doch Hilsdorf spielt, seit einiger Zeit schon,...