Hörtragödie
Die Musik, die ich suche, ist mit dem Raum geschrieben: Sie ist in keinem Raum gleich, sondern arbeitet mit ihm», schrieb Luigi Nono mitten in der Entstehung seines «Prometeo», der im September 1984 als einziges Werk der Biennale Musica in Venedig uraufgeführt werden sollte.
Das historische Unternehmen war Ergebnis einer außergewöhnlichen kollektiven künstlerischen Anstrengung, an der einige enge Freunde des Komponisten beteiligt waren: der Dirigent Claudio Abbado, der Textdichter Massimo Cacciari und der Maler Emilio Vedova, der sich ein spezielles Beleuchtungsdesign ausdachte, um den Raum gleichsam mit Farben zu «illuminieren».
Als Veranstaltungsort wählte Nono die säkularisierte Kirche San Lorenzo, einen Ort mit vielen musikalischen Erinnerungen; die Komponisten Gioseffo Zarlino, Giammateo Asola und Francesco Cavalli waren hier einst bestattet worden. Im Inneren schuf der Architekt Renzo Piano eine funktionale Installation für das Hörerlebnis: eine große, hölzerne Arche als Resonanzkörper, der aus dem Boden ragte und Musikerinnen wie Musiker mit dem Publikum zusammenbrachte, konzipiert nach den Merkmalen eines gigantischen Musikinstruments. Dieses klingende Schiff war ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Stefano Nardelli
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