Eine Frage der Perspektive

Lorin Maazel dirigiert in Valencias neuem Opernhaus Verdis «Simon Boccanegra» und Ravels «L’Enfant et les Sortilèges»

Es gibt zwei Möglichkeiten, sich von dem prächtigen und skurrilen Opern­vogel in Valencia ein Bild zu machen. Eine Möglichkeit ist Ebene Minus Zwei. Das ist die Ebene des ehemaligen Fluss­bettes, in das Santiago Calatravas «Palau de les Arts» eingepasst ist. Sie liegt unterhalb des Straßenniveaus und wird von künstlichen Seen bestimmt, die die Bauten der futuristischen «Stadt der Künste und der Wissenschaften» voneinander absetzen sollen.

Von hier sieht das Gebäude nicht mehr, wie von weitem, nach Riesenvogel aus, sondern wie ein Riesen­hai, der gerade den Zuschauerraum eines Opernhauses verschluckt hat. Als Gebiss blinken die Stahlstreben des Foyers. Schwerelos und mächtig scheint er nach vorne zu gleiten – in Richtung Meer und in Richtung der Golfplätze, für die Valencia europaweit gerühmt wird. Dass sich in seinem Bauch auch ein Konzert-, ein Kammermusik- und ein Orchesterprobensaal befinden, nebst Restaurants, Gesellschafts- und Büroräumen: Man kann es sich erst wirklich vorstellen, wenn man diese Innereien mit eigenen Augen gesehen hat.
Die andere Möglichkeit, diesem verrücktesten Opernversuch Europas nahe zu kommen, sind ein paar Zahlen. Der Etat beträgt rund 50 Millionen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Risiken und Nebenwirkungen

Die Oper birgt mehr Unwägbarkeiten für einen Betrieb als jede andere Kunstform. Die Wahl des Generalmusikdirektors oder der Generalmusikdirektorin ge­hört dabei gewiss zu den am meisten ins Gewicht fallenden Risiken. Das gilt für jedes Haus. Auch Opera Australia weiß davon ein Lied zu singen. Vor vier Jahren gab man voreilig Simone Young den Laufpass und bestimmte...

Kluger Klangrausch

In Riga hatten es die Werke des eins­tigen Kapellmeis­ters Richard Wagner (er amtierte am längst zerstörten Stadttheater) nicht gerade leicht – der letzte zyklische «Ring» liegt gut hundert Jahre zurück. In den Spielplänen der vergangenen Jahrzehnte taucht der Name Wagner nur spärlich auf. Und wenn es doch mal einen «Hol­länder» oder «Lohengrin» gab, so im...

Magisches Märchenmysterium

Seit der Wiener Uraufführung 1919 ist «Die Frau ohne Schatten» ein Schmerzenskind des Musiktheaters. Von seinen beiden Autoren maßlos selbstvermessen als «gemeinsames Hauptwerk» geplant, musste das Stück fast zwangsläufig an seiner eigenen Hypertrophie, dem ­literarisch überfrachteten Libretto von Hofmannsthal und der sinfonisch-illustrativen Musik von Strauss,...