Janácek: Die Ausflüge des Herrn Brouce

Lübeck

Gegenüber «Jenufa», «Katja», «Füchslein», auch «Totenhaus» und «Ma­kro­pu­los» gilt der «Broucek» immer noch als Außenseiter. Im deutschen wie im tschechischen Sprachraum. Ein in sich divergentes Stück, mit dessen zwei ganz unterschiedlichen Teilen, der Mondfahrt und der Reise ins 15. Jahrhundert, Regisseure sich schwer tun.

Christian von Götz fand jetzt einen gemeinsamen Nenner in der Verdoppelung der Titel­figur: Während Broucek I seine abstrusen Abenteuer erlebt, sitzt Broucek II biertrinkend und dösend am linken Bühnenrand und erinnert den Zuschauer ständig daran, dass die vor ihm ablaufenden Geschehnisse als Traumgebilde zu begreifen sind. Wobei die vom Schauspieler des Broucek II, offenbar einer Lübecker Lokalgröße, gesprochenen Zwischentexte sich in ihrer gemäßigt witzigen Pointierung eher lähmend auf das Ganze auswirkten.
Ansonsten aber liefern Götz und seine Ausstatterin Karin Fritz eine gekonnt turbulente Umsetzung. Das gilt sowohl für die Mond­fantasien mit einer kabarettistischen Emanzen-Revue und der amüsanten Präsentation eines total durchgeknallten Künstlervölkchens wie auch für die mit einem gehörigen Schuss schwar­zen Humors versehenen, grotesk sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Kurz Berichtet, Seite 51
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Was für ein Chor!

Manchmal schnürt der Zufall spannende Pakete. Etwa, als sich Frank Martin im Frühjahr 1938 mit dem «Tristan»-Roman des wenige Monate später gestorbenen Mediävisten ­Joseph Bédier beschäftigte. Just zu diesem Zeitpunkt fragte Robert Blum bei Martin an, ob er nicht ein rund halbstündiges Stück für seinen Madrigalchor komponieren wolle. So kamen der Tristan-Stoff,...

Auf der Totenmaske

Stolze vier Uraufführungen stemmt das Stadttheater Fürth zum 1000-jährigen Stadtjubiläum. Mit der Wirtschaftswunderrevue «Petticoat & Schickedance» gelang ein großer Publikumserfolg, jetzt folgte mit dem zweiten Auftragswerk «Aus der Welt» eine anspruchsvollere Kammeroper, die beifällig aufgenommen wurde. Was zum einen an der gar nicht neutönerischen, sondern...

Jedermanns Abstieg

Zunächst spricht ein Mann mit seinem Bier. Dann kommt Wladimir Putin ins Bild mit einer Rede an die russische Nation, in der er die Aussetzung der Abrüs­tungsverträge ankündigt. Hierauf sieht man Condoleezza Rice mit süffisantem Lächeln Putin einen Hysteriker heißen, der wegen ein paar Raketen durchdrehe. Werbung, News, der ganz alltägliche Wahnsinn im Fernsehen an...