Mendelssohn Bartholdy:  Der Onkel aus Boston

Kaiserslautern

«Anleitung zum Unglücklichsein», so könnte das Stück heißen. Wie das Buch von Paul Watzlawick. Das ist die Konstellation in Felix Mendelssohn Bartholdys Oper «Der Onkel aus Boston». Der Onkel ist Vormund von Fanny. Er will sie verheiraten, doch sie hat sich unsterblich in Carl verliebt. Was tun? Nur nicht miteinander reden. Es beginnt eine turbulente Verwechslungskomödie, wobei sich am Ende herausstellt, dass der Onkel niemand anderen als Bräutigam im Sinn hatte als Fannys Geliebten, und doch wären beinahe alle unglücklich geworden.


Als Zuschauer wird man es tatsächlich in Kaiserslautern. Denn Regisseur Sven Severin macht eine Schmierenkomödie aus dem Stück. Es wird von einer Dilet­tantentruppe auf einem Kreuzfahrtschiff aufgeführt. Die Passagiere sitzen rechts und links neben dem Orchestergraben und langweilen sich mindestens so sehr wie das Kaiserslauterer Publikum. Der Onkel scheint ein seniler, militaristischer Einfaltspinsel zu sein, die Jugendlichen überdrehte Puppen. Am Ende gerät das Schiff in Seenot. Die Schauspieltruppe rettet sich – nun in Alltagsklamotten – in ein Gummiboot. Das hat alles mit dem Stück nichts zu tun, und was schlimmer ist: Die Regie denunziert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Kurz Berichtet, Seite 51
von Thomas Rothkegel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Emilia Monroe

Kann sich ein Regisseur das entgehen lassen? Da spielt in der Oper um die dreihundertjährige Lebens­ge­schich­te der Sängerin Emilia Marty das Kürzel E. M. eine wichtige, wenn auch zunächst rätselhafte Rolle, bis sich herausstellt, dass sich hinter den Buchstaben zwar stets dieselbe Person verbirgt, wenn auch mit mehreren verschleiernden Identitäten, die ebenfalls...

Auf Höhenflug

Einen Exotenbonus bekommen sie heute nicht mehr. Anzahl, sängerische Qualität und Variationsbreite innerhalb des Stimmfachs der Countertenöre nehmen stetig zu. An fast jedem Stadttheater trat schon einmal ein Counter in einer tragenden Rolle auf. Vorbei sind die Zeiten, als ein «Falsettist», der die Aufnahmeprüfung an einer Hochschule mit Bravour bestand, nicht zum...

Uraufführung zum Auftakt

«Tornato è maggio da eterno viaggio»: Wie romantisch, sich diese Mai-Serenata aus Umberto Giordanos Oper «La cena delle beffe» als Inspirationsquelle des Maggio Musicale Fiorentino vorzustellen, zumal Giordanos Verismo-Perle von 1924 im prachtvollen Florenz Lorenzo Magnificos spielt. Nach Gründung des Floren­tiner Orchesters 1928 besteht der von Vittorio Gui...