Regiedebüt: Franz Grundhebers «Wozzeck» in Trier

Trier, Berg: Wozzeck

Wenn Sänger Regie führen – auch und gerade solche, die selbst gute Darsteller sind –, haben sie nicht zwangsläufig ein überzeugendes Regiekonzept. Aber Franz Grundheber liefert auf Dirk Immichs zeitloser, wellenförmig wogender Bühne ein fein herausge­arbeitetes, detailgenaues Rollenporträt, für das ihm mit Johannes M. Kösters ein versierter Haupt­dar­steller zur Verfügung steht. Diesem Wozzeck fehlt ­alles Servile, Geduckte. Er ist fremd in dieser Welt, steht dem Zynismus der Mächtigen wie gelähmt ­gegenüber. Genau so hilf- und sprachlos ist er gegenüber Marie.

Erst als diese Beziehung, für die er ­jedes Opfer bringt, in Frage steht, zerbricht sein Schutzpanzer, der Weg von der Lethargie in den  Wahn verläuft mit tödlicher Konsequenz.
Grundheber, der in seiner Inszenierung einige Gala-Vorstellungen selbst sang (Foto), tut als Regisseur ­genau das, was ihn auch als Sänger auszeichnet: Er geht vom Wort aus. Nichts auf der Bühne passiert, ohne dass es ein ­kla­res Fundament im Text hat. Die Regie streift gelegentlich die Grenze zur szenischen Naivität, aber sie fördert Details zu Tage, die oft ­vergessen oder vernachlässigt werden. Und: Die Vermittlung des Stücks an die Zuschauer, um ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Dieter Lintz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Schatten der Legenden

Mercadante ist ein seltener, aber doch regelmäßiger Gast auf unseren Spielplänen. Als vor zwei Jahren das Stadttheater Gießen an «Il giuramento» erinnerte, war in einem repräsentativen Feuilleton von «Kleinod» die Rede. Beim Label «Opera Rara» gibt es da­rüber hinaus Editionen wie «Mercadante rediscovered» oder «Soireés Italiennes». Seit Neuestem ist eine...

Im Sanatorium

Der Stoff der «Karmeliterinnen», so schreibt Francis Poulenc in einem biografischen Rückblick, habe ihn zunächst zweifeln lassen: eine Oper ohne Liebeshandlung? Ein Vertreter des Regietheaters wie Jörg Behr hat damit keine Probleme: Er erfindet eben eine. Und zwar eine inzestuöse zwischen der jungen Blanche und ihrem Vater, dem Marquis de la Force. Leicht...

Emilia Monroe

Kann sich ein Regisseur das entgehen lassen? Da spielt in der Oper um die dreihundertjährige Lebens­ge­schich­te der Sängerin Emilia Marty das Kürzel E. M. eine wichtige, wenn auch zunächst rätselhafte Rolle, bis sich herausstellt, dass sich hinter den Buchstaben zwar stets dieselbe Person verbirgt, wenn auch mit mehreren verschleiernden Identitäten, die ebenfalls...