Emilia Monroe

Paris, Janácek: Die Sache Makropulos

Kann sich ein Regisseur das entgehen lassen? Da spielt in der Oper um die dreihundertjährige Lebens­ge­schich­te der Sängerin Emilia Marty das Kürzel E. M. eine wichtige, wenn auch zunächst rätselhafte Rolle, bis sich herausstellt, dass sich hinter den Buchstaben zwar stets dieselbe Person verbirgt, wenn auch mit mehreren verschleiernden Identitäten, die ebenfalls unsterblich ist. Dann erscheint eine Schauspielerin, deren Nachname mit einem «M» beginnt. Fertig ist die Parallele: Emilia Marty alias Emilia Makropulos ist auch Emilia Monroe.

Zwar ist Marilyn Monroe nur sechsunddreißig Jahre alt geworden, aber im Zeitalter der Reproduzierbarkeit des Kunstwerks könnte sie eine ähnliche Lebenszeit erreichen wie das Opernvorbild Emilia Marty.
Die Querverweise könnte man noch weiter fortsetzen: In Janáceks Oper «Die Sache Makropulos» stirbt Emilia Marty gleichsam in Echtzeit im Jahr der Uraufführung 1926. Im Jahr 1926 wurde auch Marilyn Monroe geboren, und wenn man so will, partizipierte auch sie noch von dem geheimnisvollen Medikament des Arztes Hieronymus Makropulos, das dieser Ende des 16. Jahrhunderts für den Kaiser Rudolf II. mischte, um diesem eine drei Jahrhunderte währende ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Liebestode

Ein Einakter ist selten abendfüllend. Zwei kürzere Einakter sind zwar abendfüllend, aber nicht publikumswirksam. Drei kleinere Einakter sind meist zu lang und auch nicht publikumswirksam. Beispiel: Puccinis «Il trittico». Warum das «normale» Opernpublikum Einakter nicht besonders schätzt, bleibt ein Rätsel. Man mag wohl nicht so schnell aus einer Geschichte...

Jost: Vipern

Christian Josts erste abendfüllende Oper «Vipern», die 2005 in Düsseldorf zur Ur­aufführung gelangte (siehe OW 3/2005), hat nun in derselben Inszenierung des Berner Theaterdirektors Eike Gramss ihre Schweizer Erstaufführung erlebt. Jost ge­hört zu den meistbeschäftigten zeitgenössischen Komponisten Deutschlands. Nach Kammermusik und Orches­terwerken bahnt sich ein...

Zwischen Stil und Style

Er kam und sah. Von Siegen freilich konnte die Rede nicht sein. Dieser Cesare, ein junger Mensch in Windjacke und Freizeithosen, sah eher nachdenklich ins Publikum, und auch sein «Presti omai l’egizia terra le sue palme al vincitor» klang nicht nach Siegerpose, sondern – bei aller lebhaften Mimik – eher distanziert. Dies alles passierte im April bei Händels «Giulio...