Die Entdeckung des Himmels
Kosmos Barockoper. Wo die Sänger Edelgas zu atmen scheinen, so silberhell leuchtend klingen ihre Stimmen. Wo der Koloraturen-Höhenrausch den Normalzustand bedeutet und Töne wie tausend kleine Messer blitzen. Wo die Figuren aber auch alles Schablonenhafte ablegen, nahbar, durchlässig werden.
Warum hören und sehen wir den Opernhelden eines Georg Friedrich Händel, um den prominentesten Vertreter des Genres zu nennen, so gerne zu, wenn sie in diesen kruden Geschichten zwischen ihren Affekten vulgo Gefühlsextremen hin und her schießen? Drei Produktionen in Köln, Halle und an der Komischen Oper Berlin finden je eigene, ästhetisch sehr unterschiedliche Antworten.
Im StaatenHaus Köln auf dem Messegelände untergebracht steht mit «Giulio Cesare in Egitto» (in der Inszenierung von Vincent Boussard) nicht nur Händels, sondern die vermutlich erfolgreichste Barockoper überhaupt auf dem Programm. Das Gürzenich-Orchester sitzt direkt vor der Bühne, von Rubén Dubrovsky, einem nicht nur bei Originalklangkörpern derzeit viel gefragten Barockexperten, auf phänomenale musikalische Höhen geführt: Mit seismografischer Empfindlichkeit und Präzision wird da auf das Bühnengeschehen reagiert. Dubrovsky ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Werner Kopfmüller
Michael Spyres begeistert und verzückt die Opernwelt seit vielen Jahren. Seine Stimme schwingt sich scheinbar mühelos in höchste Höhen auf, Koloraturen sprudeln nur so aus ihm heraus, Langstreckenopern wie Meyerbeers «Les Huguenots» oder Rossinis «Guillaume Tell» in der Urfassung bewältigt er mit nie versiegender Energie. Das Repertoire des 1979 geborenen Sängers...
Selbstverständlich gibt es auch in dieser «Aida» eine Pyramide. Nur glüht nicht der güldene Sandstein. Es dominiert bühnenhohes Schwarzgrau. Ein Ascheberg, Ergebnis des Dauerrieselns durch die Löcher einer zerschossenen Decke. Ein monumentales Bild, das von Regisseur Damiano Michieletto bewusst nicht mit Action gefüllt wird. Hier herrscht Leere, Ausweglosigkeit,...
Ein Ast wird abgesägt, fällt raschelnd vor dem Vorhang nieder, noch bevor die Pauken und Fagotte der Dortmunder Philharmoniker in Mimes Höhle entführen. So war es bereits im vergangenen Jahr bei der «Walküre» an der Oper Dortmund, so könnte es werden im kommenden Jahr beim «Rheingold». Die Weltesche ist immer schon angetastet, das Verhältnis des Menschen zur Natur...
