Die Kraft des Schicksals

Köln, Janácek: Jenufa

Ihre Augen funkeln wie glühende Kohlen, krampfhaft zucken ihre Hände, die Haare stehen zu Berge, der Wahnsinn scheint ihr Pate. Buryja, die Küsterin, quält sich mit ihrer Schuld, peinigt sich in der Hoffnung, dass Jenufas Hochzeit rasch und reibungslos über die Bühne gehen möge.
Eindringlich verkörpert Dalia Schaechter die Rolle der Küsterin Buryja, nicht nur am Beginn des dritten Aktes, wenn sie sich wie verhext im Krankenbett hin- und herwirft. Jede Geste, jeder Blick, jeder Ton, alles an ihr wirkt leidenschaftlich, lebensnah.

Schaechter singt und spielt keine kühle Planerin, sondern eine emotional überbordende Figur. Sie zeigt das permanente Schwanken zwischen kühlem Verstand und Delirium, Zufallsglück und Schicksalskraft. Weder der gewaltige Tonumfang dieser Partie noch die dynamischen und rhythmischen Tücken können Schaechters spontanem und bestechend realistischem Figurenporträt etwas anhaben.
Kölns Oper darf aufatmen. Mit Katharina Thalbachs Inszenierung von Janáceks «Jenufa» ist endich einmal wieder ein großer Wurf gelungen. Das Publikum harrte am Ende lange aus, um gebührend zu klatschen. Thalbach entwickelt eine spannende, jederzeit durchdachte und detailliert auf Libretto ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mozart aus Neapel und Wien

Der viel gerühmte Wiener Mozart-Stil der Nachkriegszeit wurde wesentlich von der Arbeit des Dirigenten Josef Krips geprägt, einem uneitlen, sensiblen Musiker, der beim Probieren zugleich ein Präzisionsfanatiker war. Dass er nur zwei Mozart-Opern, «Die Entführung aus dem Serail» und «Don Giovanni», auf Schallplatten einspielen konnte, ist zu bedauern. Desto mehr...

Lebendiges Museum

Als Manfred Beilharz in den siebziger Jahren seine Intendantenlaufbahn in Tübingen begann, bäumte sich d’Alberts nach 1945 schon tot geglaubte «Tiefland»-Oper gerade noch einmal auf. Das Hessische Staatstheater Wiesbaden zeigte damals eine Produktion mit Hermin Esser und Liane Synek in den Hauptpartien. Heute ist Beilharz Intendant in Wiesbaden – und klopft das...

Aus ferner Zeit

Schwein oder nicht Schwein? Vor den Toren des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin ist die hamletisch angewehte Frage rasch geklärt. Ein Schweine­hund sei dieser Don Giovanni, den man sogleich erleben werde, befinden zwei Damen nach Durchsicht des (im Übrigen lesenswerten) Programmbuchs. Betritt wenig später Mikael Babajanyan in azurblauem Samtgewand...