Klangprächtige Tableaus
Die konzertante Uraufführung liegt ein Jahr zurück: Im Sommer 2006 hatte das Radio-France-Festival in Montpellier Edouard Lalos vergessene Schiller-Oper aufs Programm gesetzt. Und doch kann man auch die szenische Weltpremiere von «Fiesque», die anlässlich der 14. Internationalen Schillertage vom Mannheimer Nationaltheater gestemmt wurde, ein kleine Sensation nennen. Ganze 139 Jahre musste das Werk darauf warten. Lalo schrieb seine musikalische Fassung von Schillers «Verschwörung des Fiesco zu Genua» 1868 für einen Kompositionswettbewerb und erhielt den dritten Preis.
Wohl wegen Geldschwierigkeiten und politischer Intrigen kam es nicht zu den damals geplanten Aufführungen. Der Librettist Charles Beauquier etwa war überzeugter Republikaner und musste verbittert miterleben, wie die französische Nationalversammlung aufgelöst und Napoleon III. zum Kaiser der Franzosen gekrönt wurde. In diese Gemengelage passte eine Oper schlecht, die davon handelt, wie sich ein demokratisch gerierender Politiker zum Diktator aufschwingt und am Ende scheitert.
Während in Schillers republikanischem Trauerspiel der Titelheld zwischen Macht und Liebe zerrissen ist, hat er sich bei Lalo schon entschieden. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nikolaus Harnoncourt meinte einmal, wenn man sich die leidenschaftlichen Plastiken eines Bernini ansehe, könne man sich nicht vorstellen, dass die Musik jener Zeit weniger leidenschaftlich gewesen sei. In der Tat ist die Meinung, dass das artifizielle Element des Barockgesangs zugleich stimmfarbliche Anämie bedeute, historisch kaum belegbar. Freilich schien mit...
Die Substanz einer Oper ist das Sichtbare, nicht das Erzählbare», stellte der Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus einmal kategorisch fest. Dem Opernliebhaber fallen freilich auf Anhieb etliche Szenen ein, in denen recht hemmungslos erzählt wird: Lohengrins Gralserzählung, Wotans großer Monolog im zweiten Akt der «Walküre», die Mägdeerzählung des Ochs auf Lerchenau...
Dem Regisseur Dietrich Hilsdorf ist es gelungen, sich seit mehr als zwei Jahrzehnten den Ruf eines ewig jungen Wilden zu bewahren. Opernwerke wirken auf ihn wie Festungsanlagen. Diese wollen beschossen und danach erstürmt sein. Was danach kommt, präsentiert sich unterschiedlich. Entweder wird die Festung wieder aufgebaut, oder sie wird geschliffen. Dann bleibt vom...
