Trost in diesen Zeiten
Es gibt Konzerte, von denen man recht früh weiß, dass man sie nicht vergessen wird. Manchmal werden solcher Art Ereignisse von Mesalliancen kontrapunktiert, die das Ganze aber gar nicht in ein dunkleres Licht ziehen. Und selten kommen beide Ereignisse in einer Erinnerung zusammen – und können ohne aneinander nicht sein, im positiven Sinne. Am 26. November 2022 gab es ein solches Ereignis: Der Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie: nur zu einem Drittel besetzt.
Drüben im Großen Saal gab das Deutsche Symphonie-Orchester Gustav Mahlers – momentan viel zu oft gespielte, zweifellos fantastische – dritte Symphonie. Der RIAS Kammerchor Berlin – eigentlich durch den Zusammenschluss der Ensembles in der ROC Berlin mit dem DSO verschwistert – musste drunter leiden. Sicherlich ein Planungsfehler. Diese zwei Klangkörper sollten nicht in Konkurrenz zueinander treten.
Die lettische Dirigentin Krista Audere hatte ein Programm von tiefer dramaturgischer Klugheit und erwärmender Schönheit zusammengestellt. Ein Programm, das Werke von Komponistinnen und Komponisten aufreihte, denen man bis dahin vielleicht nahezu ausnahmslos skeptisch – im Sinne vorauseilender Adorno-Avantgarde-Gläubigkeit – ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Arno Lücker
Bereits im Vorwort seines berührenden Buches aus dem Jahr 2007 stellt Alexander Kluge klar, dass es ihm bei den 120 «Geschichten vom Kino» um das «Prinzip Kino» gehe, also um den erweiterten Begriff der Kunstgattung. Er halte dieses «Kino», schreibt Kluge, «für unsterblich und für älter als die Filmkunst», weil es auf einem zeitlosen Prinzip beruhe – darauf...
Der Teufel hol’ den deutschen Kontrapunkt!», so fluchte Richard Strauss einmal ironisch. Aber nicht bloß in der Partitur der «Meistersinger von Nürnberg» seines Vornamenskollegen regiert im Stimmengeflecht der ausdrucksvolle Widerpart. Auch szenisch versteht sich Regisseur Keith Warner darauf. «Wach auf!» schmettert der Chor etwa als Huldigung an Hans Sachs – doch...
Man liest es und staunt. «Mordgedanken» hat Katharina Ruckgaber ihren kleinen Essay im Booklet überschrieben – und führt im Folgenden tatsächlich aus, wie es ist, wenn man solche Aufwallungen in sich spürt und wenn man, vor allem aus Eifersucht, zur Mörderin werden kann, um eine Rivalin (im wahrsten Sinn) auszustechen. Doch keine Angst, hier wird niemand getötet....
