Über allem Hexenzauber Liebe
Am Ende war der Jubel groß. Wieder einmal hatte Frankfurts Intendant Bernd Loebe mit Mut zum Wagnis sein Publikum überwältigt. Und das mit einem Stück des hierzulande sträflich unterschätzten Nikolai Rimsky-Korsakow, das selbst die Kenner und Liebhaber dieses größten russischen Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts noch nie auf der Bühne sehen durften. An diesem Abend, der mit artifizieller Naivität verzaubert, stimmte einfach alles. Christof Loy, der Frankfurt schon viele denkwürdige Inszenierungen schenkte, hat sich hier selbst übertroffen.
In jedem Augenblick war seine Begeisterung, ja, Liebe für Rimsky-Korsakows menschlichen wie musikalischen Kosmos spürbar, aber auch die vielen seiner Kolleginnen und Kollegen abhanden gekommene Haltung, sich einem großartigen Werk zu verschreiben und ihm zum Erfolg zu verhelfen – eine Haltung, die allen Mitwirkenden bis zur zur kleinsten Rolle anzumerken war.
«Eine wahre Geschichte und ein Lied zur Wintersonnenwende» hat der Komponist sein 1895 uraufgeführtes musikalisches Märchen im Untertitel genannt. Loy setzt beides auf die Bühne, die derb-drastische Realistik des dörflichen Alltags wie die überbordende Fantastik der auf einer Novelle von ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Uwe Schweikert
Herr Humm, Sie waren bisher ein sehr hohes Lebenstempo gewohnt. Jetzt wurden seit fast zwei Jahren viele Ihrer Engagements abgesagt. Wie geht es Ihnen mit dieser Entschleunigung?
Schwierige Frage. Ich merke, dass man Dinge, die schnell gehen müssen, wieder verlernt, wie das Kofferpacken, weil es nicht mehr so häufig und wichtig ist wie früher. Die ganze...
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