Enttäuschungen

Das Erschreckende in der vergangenen Spielzeit war für mich die Irrelevanz quasi des gesamten Kulturbetriebs. Systemrelevanz? Fehlanzeige! Das sah beziehungsweise sieht man auch jetzt noch, selbst bei begrenzter Platzauslastung bleiben erhebliche Teile des früheren Publikums weg.

Ein weiterer Schock: wie ungelenk manche Häuser und Institutionen mit der Krise umgangen sind.

Während zum Beispiel die Bayerische Staatsoper konsequent (Live-)Streams anbot und dafür erhebliche Mittel (man nennt das auch Subventionen/Steuergelder) in die Hand nahm, zog sich etwa die Semperoper lange Zeit völlig zurück und untersagte sogar Christian Thielemann zu proben. Letzterer prägte den hübschen Begriff «theilern», abgeleitet vom Namen des Dresdner Noch-Intendanten Peter Theiler, der einst in Nürnberg ein starkes, innovatives Programm machte und von dem man eine gewisse (natürlich verantwortliche) Widerständigkeit erwartet hätte.

Traurig auch, wie wenig innovative Digitalformate es gab. Der virtuelle Blick in die USA lohnte sich sehr, selbst kleine Kompanien nutzten die Chance, ein globales Publikum zu erreichen.

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 102
von Jörn Florian Fuchs («Deutschlandradio», München)

Weitere Beiträge
Wichtige Sänger und Sängerinnen der Saison

Der unbeugsame Wille zur Macht wird ihm zum Verhängnis. Schon bei Shakespeare. Und ebenso in Giuseppe Verdis Vertonung, einem der dunkelsten Stücke aus der Feder des italianischen Komponisten. Macbeth wird letzlich Opfer seiner (Macht-)Fantasien. Wenn man Luca Salsi an der Wiener Staatsoper erlebt hat, weiß man, wie nahe er dem Irrsinn dabei kommt. Salsi  entpuppt...

Die Wüste lebt

In der Sport-Sprache heißt es gerne «Nach dem Spiel ist vor dem Spiel»: Die nächste Herausforderung wartet schon. Für den Theater- und Konzertbetrieb gilt Ähnliches: Jede noch so gelungene Premiere ist auch eine Art quasi finaler Momentaufnahme eines längeren Arbeitsprozesses, dessen Ergebnisse sich in der Folgezeit bewähren sollen. Insofern setzt sie alles andere...

Bequem geht immer

Kulturpolitik wurde in Zeiten von Corona gern und viel gescholten. Oft auch pauschal. Doch genaues Hinschauen lohnt sich. Die Palette reicht von glänzend bis dilettantisch. Zwei Extrembeispiele: Dresden und Köln. In Sachsen lässt Kulturministerin Barbara Klepsch den Vertrag von Christian Thielemann als Musikchef der Staatskapelle Dresden auslaufen. Auch Peter...