Talentiert

Telemann: Pimpinone
Bartók: Herzog Blaubarts Burg
NÜRNBERG | STAATSTHEATER

Ein unwiderstehliches Angebot für wohlhabende Junggesellen: Für nur 999,99 Euro ist die neueste Kammermädchenversion Vespetta zu haben. Sie wäscht, bügelt, putzt, kocht nicht nur, sondern lässt auch noch die Brüste nach Belieben des Besitzers blinken. Nur dass der Käufer Pimpinone nicht damit gerechnet hat, dass sich die Puppe nach Ablauf der Rückgabefrist in eine echte Frau verwandeln und ihm das Leben schwer machen könnte.

Als moderne Pygmalion-Variante erzählt Ilaria Lanzino das Lustspiel «Pimpinone oder Die ungleiche Heirat» von Georg Philipp Telemann am Staatstheater Nürnberg, wobei die Rokokoausstattung von Emine Güner eine amüsante Brechung mit dem Digitalkauf eingeht. Ruppiger noch in den Besitzansprüchen geht es im zweiten Teil des Doppelabends zu, wenn die Regisseurin mit Béla Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» die Gewaltfantasien eines Mannes gegenüber seiner frischangetrauten Frau ausleuchtet.

Auf die interessante Idee, diese beiden musikgeschichtlich weit auseinanderliegenden Stücke für je einen Sänger und eine Sängerin zu verbinden, ist wohl bislang noch kein Theater gekommen. In Nürnberg ist sie aus praktischen Erwägungen entstanden, was sich mit kleinen, räumlich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2021
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Neu entdeckt

In ihrem gerade erschienen Band «Auch morgen. Politische Texte» geht die Schriftstellerin Nora Bossong der Verführung durch das Böse auf den Grund ‒ und führt den Joker aus den «Batman»-Filmen als Musterbeispiel für die psychopathisch grinsende Anarchie des Bösen an. Dagegen erscheint ihr Goethes Mephisto weit harmloser, eher ein Vertreter höfischer Diplomatie als...

Farbverliebt

Am Rande des Nervenzusammenbruchs und einen Schritt darüber hinaus – so wohl ließe sich die emotionale Ausgangslage in Cordula Däupers Inszenierung von Mozarts «La finta giardiniera» am besten charakterisieren. Den Auftakt bildet ein Treppensturz: Mit Karacho lässt die Regisseurin ihre Titelheldin aus der Vorgeschichte der Oper direkt im ersten Akt aufprallen. Bei...

Bekennender Enthusiast

Leserinnen und Leser der «Opernwelt» werden sich des Frankfurter Kritikers Hans-Klaus Jungheinrich erinnern. Wobei die Stadt keineswegs unerheblich ist. Denn Jungheinrich, auch der Autor, stand für eine Art Frankfurter Schule der Musik-Publizistik in der Nachfolge der «Kritischen Theorie» mit ihrem Haupt-Exponenten Theodor W. Adorno, der für den Diskurs der Moderne...