Recycling sieht anders aus

Baden-Baden, Puccini: Tosca

Opernwelt - Logo

Man kann Verismo auch falsch verstehen wie die Macher jener seinerzeit im Fernsehen übertragenen Produktion, die Puccinis «Tosca» an den drei Originalschauplätzen in Rom spielen ließ: Kirche Sant’Andrea, Palazzo Farnese, Engelsburg. Das Drama um Macht, Liebe, Eifersucht, Verrat verkrustete in Musealität. Zu zeigen, dass die Sängerin Floria Tosca und ihr Geliebter, der Maler Mario Cavaradossi, mit ihren freiheitlich-­demokratisch-künstlerischen Prinzipien keinen Platz haben in einer Welt der Ideologie und Despotie – das ist des Regisseurs Aufgabe und Kunst.


Nikolaus Lehnhoff schafft das, indem er die Pole Symbolismus und Naturalismus virtuos ausbalanciert. Er hat seine Amsterdamer «Tosca»-Inszenierung von 1998 für die Baden-Badener Sommerfestspiele noch einmal gründlich überarbeitet, die neuen Kostüme Andrea Schmidt-Futterers reflektieren augenfälliger die Kälte und Unnahbarkeit der Machtapparate – vom Ancien Régime bis in die jüngste Vergangenheit des Faschismus.
Faschismus kann überall sein – das ist die Botschaft der drei vollkommen heterogenen Bühnenbilder Raimund Bauers: die Engelsburg als zubetonierter Bunkerraum, der nur durch eine Öffnung den Blick auf einen sich blutrot ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2007
Rubrik: Festspiele II, Seite 72
von Alexander Dick

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mit metaphorischem Haustier

Man muss schon eine ganze Weile suchen, bis man ihn in einem der heute gebräuchlichen Opernführer findet. Dabei hat der in Antwerpen geborene, später in Paris erfolgreiche Albert Grisar (1808-1869) immerhin achtzehn Bühnenwerke geschrieben. Zwei von ihnen brachte jetzt die für ihre Entdeckerfreude bekannte Kammer­oper in Neuburg an der Donau im Rahmen eines...

Konkurrenz für Wien?

Wotan ist ein Loser – kläglich wird sein grandioses «Second-Life»-Konzept schei­tern. Doch am Schluss von «Rheingold» sieht alles noch vielversprechend aus. «Abendlich strahlt der Sonne Auge; in prächtiger Glut prangt glänzend die Burg», schwärmt der Gott, kompetent vertreten durch den amerikanischen Heldenbariton James Johnson. Wäh­rend­dessen führen uns die...

«Man muss sein Publikum genau kennen»

Herr Domingo, zu Beginn Ihrer Karriere war die Hamburgische Staatsoper eine der wichtigsten Stationen. Nehmen wir einmal an, Hamburg hätte Ihnen eines Tages angeboten, dort Staatsopernintendant zu werden. Wäre das eine ernsthafte Versuchung gewesen?
Eine reizvolle Vorstellung. Aber leider unrealistisch. Aus einem Grund: die Familie. Meine drei Söhne leben mit ihren...