Grandios gescheitert
Zuletzt sorgte die Oper Halle vor allem wegen der erbitterten, öffentlich ausgetragenen Kontroverse um die künstlerische Leitung für Furore. Aber auch mit dem Theaterpreis des Bundes, der ausdrücklich die innovative Ausrichtung des Hauses nennt, die sich unter anderem im Konzept einer die Grenze zwischen Zuschauern und Akteuren aufhebenden Raumbühne erkunden lasse.
In der Begründung der Jury werden ferner Projekte wie die mehrstufige Überschreibung von Giacomo Meyerbeers Grand Opéra «L’Africaine» genannt, die auf eine Neubewertung des Stücks aus der Perspektive afrikanischer Künstler zielte.
Mit kraftvollen Motti waren die vier Etappen dieses Versuchs einer postkolonialen Anverwandlung versehen: «Auseinandersetzung mit den Ahnen», «Versöhnung», «Reinigung», «Verwandlung». Große Worte, denen die Beteiligten zuletzt allerdings kaum noch folgten. Vielmehr wirkte die vierte und letzte Aufführung wie eine etwas verdrehte Reprise der ersten Bearbeitung, die Meyerbeer über weite Strecken intakt gelassen und durch gelegentliche Einschübe in der Art des Dokumentartheaters und allerhand Verfremdungskniffe etwas aufgeraut hatte. Auch am letzten Abend dominiert Meyerbeer; die Neukompositionen ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Regine Müller
Uraufführungen sind bei der New York Philharmonic keine Seltenheit. Doch die szenische Erstdarbietung eines brandneuen Werks? Das gab es so gut wie nie in der 177-jährigen Geschichte des Orchesters. Im Rahmen des von Musikchef Jaap van Zweden initiierten, auf Beethoven fokussierten Minifestivals «Music of Conscience» hob es David Langs 13. Arbeit für die Bühne aus...
Countertenöre scheinen die Welt der Barockoper heute so zu beherrschen, wie es früher die Kastraten taten, als deren moderne Wiedergänger die falsettierenden Sänger heute oft verstanden werden. «Historisch informiert», wie eine häufig gebrauchte Zauberformel der Aufführungspraxis lautet, ist diese Besetzungsoption freilich nicht. Würde man sich anhand der Quellen...
Als der Beifall im Osnabrücker Theater verklungen war, fragte man sich ungläubig: Dieser Komponist sollte vergessen, seine Oper «Guercœur» unbekannt und seit der postumen Uraufführung 1931 nie wieder gespielt worden sein? Gewiss, Albéric Magnard (1865-1914) war der Querkopf und Einzelgänger unter den französischen Musikern seiner Zeit, keiner Schule zugehörig,...
