Querständig

Dvořák: Rusalka
Klagenfurt | Stadttheater

Der Prinz und die Wassernixe, Mensch und Naturwesen, die gegen alle Fantasie abgestumpfte reale Welt gegen das naive Märchenreich: So einfach funktioniert Antonín Dvořáks «Rusalka» nicht mehr. Des Tschechen letzte Oper, zwar noch als «lyrisches Märchen» deklariert, wurde 1901 uraufgeführt. Etwa zeitgleich entstanden sowohl Sigmund Freuds «Traumdeutung» (1900) als auch Debussys «Pelléas et Mélisande» (1902), was der musikalischen und szenografischen Tiefenschürfung bei «Rusalka» im letzten Jahrzehnt manche ungewohnten Dimensionen öffnete.

Denn nur mit schlichter Illustration – das macht auch die Saison-Eröffnungsproduktion am Stadttheater Klagenfurt deutlich – ist dem Werk nicht beizukommen. Es enthält zwar attraktive Nummern (Rusalkas Lied an den Mond), tänzerisch elegante Gesellschaftsszenen, böhmisch konnotierte Terzen- und Sextenseligkeiten, aber schon vom lastenden Vorspiel an werden entschieden düstere, raue, kantige, unbequeme Passagen und dunkle Farben dem «Märchenton» bei- und untergemischt, die einen doppelten Boden einziehen. Ob das vom neuen Klagenfurter Musikchef, dem 32-jährigen Australier Nicholas Carter, tatsächlich so beabsichtigt war oder durch die Akustik des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Karl Harb

Weitere Beiträge
Ausgefeilt

Langsam schreitet eine weiß gepuderte und perückte Adelsgeselllschaft zum Te Deum in die von Christian Schmidt naturalistisch nachgebaute römische Kirche Sant’ Andrea della Valle. Ein greiser Kardinal führt die Riege stocksteifer katholischer Würdenträger an. Scarpia singt sich währenddessen in einen solchen sexuellen Rausch, dass er sein Umfeld überhaupt nicht...

Das reine Entzücken

Es ist 60 Jahre her, dass sich ein «zierliches, dunkelhaariges Mädchen mit strahlenden Augen [und] einem wie von Murillo gemalten Gesicht», so berichtet die Chronik des Glyndebourne Festivals, als Cherubino in die Herzen der Besucher sang: die damals 23-jährige spanische Mezzosopranistin Teresa Berganza. Wenig später stand sie neben der (Cherubini-)Medea von Maria...

Postapokalyptisch

Das Mittelmeer hieß im Römischen Reich mare nostrum, unser Meer, das Meer der Europäer. Wir sind nicht für jedes Leid der Welt zuständig. Für das Leid in unserem Meer sind wir zuständig. Wenn wir den Tod im Mittelmeer verhindern können, müssen wir ihn verhindern.» Das schrieb Jakob Augstein im Juli dieses Jahres im «Spiegel» in einem moralischen Appell unter dem...