Arbeitssieg

Wagner: Tristan und Isolde
Hannover | Staatsoper

Glücklich das Haus, das ein solches Stück mit eigenen Kräften besetzen kann; unglücklich jedoch, wenn es ein Regieteam engagiert, das diesen Kräften durchweg misstraut. Pantomimische und tänzerische Duplikate sind mittlerweile fast schon zur Regel geworden, auch haben wir uns längst an Simultanhandlungen auf der Leinwand gewöhnt, die entweder das Bühnengeschehen tautologisch begleiten oder konterkarieren. Solche Eigenwilligkeiten der Regie, gern als «autonome Denkräume» gepriesen, mögen geeignet sein, italienische Schmalspurtexte zu verbreitern.

«Die Meistersinger» und «Parsifal» eignen sich herrlich für wohlfeile Kritik an Deutschtümelei und Kreuzrittertum – bei «Tristan und Isolde» jedoch mündet jeder Versuch, die Bedeutungsebene des Werkes hermeneutisch zu überschreiten, in eine Kapitulation vor dem Stoff.

Hannover liefert eines der vielen Beispiele dafür.  Zwei Butoh-Tänzer sollen uns den Hintersinn dieser Liebestragödie vermitteln, der sich nach Meinung des Regisseurs Stephen Langridge aus Text und Musik nicht ergibt. Die Sänger werden entmündigt, die Zuschauer bevormundet. Der Zusammenhang von Liebe und Tod, Auslöschung und Verschmelzung dürfte den meisten Besuchern, die ...

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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Volker Tarnow

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