Wichtige Regieleistungen der Saison

Etwas war anders als sonst. Ziemlich anders. Nicht mehr vier Teile, sondern nur deren drei enthielt das gemeinsam von Tatjana Gürbaca (Regie), Bettina Auer (Dramaturgie) und dem Dirigenten Constantin Trinks realisierte «Ring»-Projekt im Theater an der Wien. Grundidee war es, die Geschichte aus dem Blickwinkel der Opfer, der jungen Generationen in Wagners Zyklus, zu schreiben und gewissermaßen an einer Schuld der Eltern respektive Großeltern festzumachen.

Diese neue Dramaturgie, die aus den originalen Stücken wie aus einem Steinbruch «Die Ring-Trilogie» herausmeißelte (Siegfrieds Tod etwa stand hier, Wagners ursprüngliche Intention aufgreifend, am Beginn), besaß im Sinne einer lebendigen, antimusealen Kunst großen Reiz, wurde aber auch kontrovers diskutiert. «Tatjana Gürbaca, eine der Kreativsten der heutigen Regieszene, bringt in Henrik Ahrs zeitlich changierendem Bühnenraum unterschiedliche, zwischen Inspiration und Banalität wechselnde szenische Ideen ein» (OW 1/2018)

Hintersinn und Mehrbödigkeit zeichneten, entgegen landläufiger Klischees, schon das «Original» aus, insbesondere das Libretto, das Victor Léon und Leo Stein für Franz Lehárs Operette «Die lustige Witwe» ...

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Opernwelt Jahrbuch 2018
Rubrik: Bilanz, Seite 131
von Red.

Vergriffen
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Das Verschüttete aufspüren

Toshio Hosokawas Musik lebt aus dem Spannungsverhältnis von japanischer Tradition und westlicher Avantgarde. Drei seiner Opern – «Hanjo» (2004), «Matsukaze» (2011) und zuletzt «Stilles Meer» (2016) – beruhen auf Stoffen des japanischen Nō-Theaters. Für sein jüngstes Musiktheaterwerk «Erdbeben. Träume» hat Hosokawa sich, wie bei seinem Erstling «Vision of Lear»...

Wichtige Sängerinnen und Sänger der Saison

Die Inszenierungen, in denen sie auftrat, besaßen wenig oder gar keine Sprengkraft. Umso mehr durfte man sich an der vokalen Virtuosität erfreuen, die Anna Netrebko versprühte – als Maddalena di Coigny im Mailänder «Andrea Chénier», wo sie für «die einsam hohe Kunst der cremigen Phrasierung, hell-licht schwebende Spitzentöne, glühende Piani und gutturale...

Im Höhenflug

Ein bisschen erinnert das Ganze an die Geschichte von Phönix, der aus der Asche stieg: Immer wieder hat sich die Oper Frankfurt nach Krisen zu blühender Höhe aufgeschwungen, unterstützt von einem wohlsituierten, neugierigen Stadtbürgertum, das ästhetische Bildung nach wie vor für ein wesentliches Gut hält und dem Ungewohnten, Unerhörten gegenüber aufgeschlossen...