Der Lügendetektortest

Kay Voges untersucht in Hannover sämtliche «Aida»-Klischees auf ihre Wirkung, Ivan Repušić schrubbt mit der Drahtbürste durch Verdis Partitur

Eine Putzfrau kommt selten allein; nicht umsonst hat das Wort von der Kolonne Reinigungsgeschichte geschrieben. Diese Servicekraft aber ist anders. Trauriger irgendwie. Weltabhandengekommener. Ein Wesen, so verloren wie die Pianissimo-Kantilene in den ersten Violinen zu Beginn, die sich wie ein Aida-Faden durch sie hindurchziehen wird.

Und so zart punktiert der Auftakt dahingetupft wird, so tunkt auch die Putzfrau ihren Wischlappen mit äußerster Melancholie in den Eimer, bevor sie damit den Bühnenboden vom Staube befreit – auch noch, als die Celli, nun im dreifachen Piano, jenes traurige Lied anstimmen, das uns im Verlauf des Abends immer wieder begegnen wird. Doch ist die Gute zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr allein auf der weiten schwarzen Flur. Techniker tragen zu den trockenen Fanfarentönen der Trompeten eilig Tische, Stühle, Lampen hinein. Es ist Probe.

Kein Nil also, keine Pyramiden, und Elefanten nur als heiter-sarkastisches Zitat. Stattdessen der politische Feldversuch, Fragen: Was steckt hinter einem Begriff wie «Krieg»? Was geht er uns an? Und: Ist das Theater, als im Bernhard’schen Sinne absurder Ort, überhaupt tauglich, dergleichen zu verhandeln? Kann seine (des ...

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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Otten

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