Zeichen und Spuren

Eine Ausstellung und ein Essayband beleuchten die Homosexualität Siegfried Wagners

Er hat der Nachwelt 18 Opern hinterlassen und die Bayreuther Festspiele 24 Jahre lang geleitet, von 1906 bis zu seinem Tod 1930. Wie aber dachte Siegfried Wagner politisch, was war er für eine Persönlichkeit? So lange der Familienclan seine Privatkorrespondenz unter Verschluss hält, sind die Wissenschaftler weitgehend auf Spekulationen angewiesen. 1973 hatte sich Siegfrieds Witwe Winifred geweigert, die entsprechenden Dokumente in die Wagner-Stiftung einzubringen, derzeit liegen sie bei Amélie Lafferentz im Safe.

Das Einzige, worauf sich alle Exegeten einigen können, ist Siegfrieds Homosexualität. So ist es nur folgerichtig, wenn sich das Schwule Museum Berlin jetzt auf eine Spurensuche begibt. Zu einer  biografischen Ausstellung, die bis 26. Juni gezeigt wird, ist ein lesenswerter Begleitband erschienen. Die Herausgeber Achim Bahr und Peter P. Pachl von der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft zeigen sich darin bereit, Widersprüche auszuhalten, Kontroversen zu spiegeln. Sie selber halten ihren Helden natürlich für ein «Genie im Schatten», während Sven Friedrich, der Direktor des Bayreuther Richard Wagner Museums, in seinem Essay kein gutes Haar am dem Richard-Filius lässt, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Frederik Hanssen

Weitere Beiträge
Editorial Mai 2017

Als Serge Dorny, Intendant der Opéra de Lyon, im Herbst 2013 von der damaligen sächsischen Kunstministerin Sabine von Schorlemmer als neuer Chef der Dresdner Semperoper präsentiert wurde, hatte er sich für das traditionsbewusste Haus und die auf ihre ruhmreiche Geschichte mächtig stolze Stadt etwas ganz Besonderes ausgedacht: eine Wieder-Holung szenischer Arbeiten,...

Trunkenheit ohne Wein

Er glaube nicht, so bemerkte Hans Zender in einem Gespräch über Aufführungspraxis und Interpretationsgeschichte, «dass ein Interpret danach streben muss, das Original zu rekonstruieren». Vielmehr müsse sich seine Tätigkeit darauf richten, «etwas neu entstehen zu lassen». Anlass für diese (scheinbar radikale) Absage an den seit Beethoven und Wagner kodifizierten...

Was kommt...

SABINE DEVIEILHE
Als «Königin der Nacht» macht sie schwer Eindruck, so sprühend, leicht und virtuos fliegt sie in höchste Höhen. Doch besteht das Repertoire der jungen französischen Koloratursopranistin nicht nur aus Partien Mozarts. Auch in den Opern Debussys, Delibes’ und Poulencs ist sie zu Hause. Ein Gespräch

ALBERTO GINASTERA
Sein Name, sein Werk ist nur...