Ach!

Busoni: Doktor Faust
Dresden | Semperoper

Der Doktor öffnet das große, geheimnisvolle, in Leder gebundene Buch. Er weiß, was da vor ihm liegt und wohin es ihn führen wird: zur Macht, zur Erkenntnis, zum Teufel. Doch das Buch ist Tarnung. Statt Zauberformeln birgt es einen Laptop, mit dessen Hilfe Faust die Dämonen heraufbeschwört (die er dann nicht sieht, obwohl sie neben ihm stehen). Der Computer als Tor zur Hölle. Das Licht des Bildschirms taucht des Gelehrten Gesicht in teuflisches Rot. Statt mit der Brut des Bösen direkt zu sprechen, kommuniziert er in Richtung Computer.

Ja, ja, diese modernen Gerätschaften, reines Teufelszeug. Endlich aber steht der Richtige neben Faust – Mephistopheles. Mit ihm ist der Pakt besiegelt: fröhliches Marodieren im Diesseits, Seelenabgabe im Jenseits.

Ferruccio Busonis Spät- und Lebenswerk «Doktor Faust» ist eng verknüpft mit der Semperoper. Hier wurde die Oper im Mai 1925 uraufgeführt. Busoni starb ein Jahr zuvor. Obwohl er fast zehn Jahre an seinem «Faust» arbeitete – nach Vorlage des Volksbuchs, nicht nach Goethes Dichtung –, blieb ihm die Vollendung verwehrt. Stattdessen ergänzte Schüler Philipp Jarnach. Dessen Fassung wiederum überholte Antony Beaumont nach Originalquellen in den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Nora Sophie Kienast

Weitere Beiträge
Königin im Kokon

Questa poi là conosco pur troppo. Auch uns geht es an diesem Abend im Theater an der Wien wie Leporello: Die Musik kommt uns äußerst bekannt vor, diese Ouvertüre, deren Allegro con brio der tänzelnden Achtel wir im Schlaf nachpfeifen können. Später erwarten wir eigentlich «Ah, bravo Figaro» und nicht ein Liebesdrama um die jungfräuliche Königin. Sind wir etwa im...

Fehlsch(l)uss

Kleines Quiz für große Opernfreunde: Bitte nennen Sie drei schwedische Musikdramen! Oder wenigstens einen schwedischen Komponisten! Unlösbare Aufgabe? Keine Schande, dem Land der Mitternachtssonne fehlt, anders als seinen nordischen Nachbarn, tatsächlich der Nationalkomponist – es gibt zu viele Anwärter. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts trug Kurt Atterberg...

Aktenzeichen Aufklärung, ungelöst

Fast möchte man Sandra Leupolds grandios durchgearbeitete Bühnenerzählung mit dem Titel «Histoire du soldat» versehen: So machtvoll und eindeutig in seiner Schwäche und Verletzlichkeit stand Max noch selten im Zentrum einer «Freischütz»-Interpretation. Wie die Figur von Ramuz und Strawinsky hat er sich teuflischer Übermächte zu erwehren, mehr aber noch von den...