Schwärmer und Rauscher

Julia Lezhneva entdeckt Opernarien von Carl Heinrich Graun

Liebhabern der Barockoper ist Carl Heinrich Graun kein Unbekannter. Seine Montezuma-Oper liegt seit vielen Jahren als Einspielung vor und hat mehrere Inszenierungen erlebt; für die Staatsoper Unter den Linden grub René Jacobs 1992 «Cleopatra e Cesare» aus, jene Oper, mit der das Haus 250 Jahre zuvor eröffnet worden war.

Doch wer kennt schon Musik aus Grauns «Ifigenia in Aulide», «L’Orfeo», «Armida» oder «Silla»? Auf der Suche nach Repertoire jenseits vertrauter Pfade stieß Julia Lezhneva auf die Musik des preußischen Hofkapellmeisters, von dessen Opern die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz zu Berlin prachtvolle Abschriften besitzt (die übrigens als Digitalisate online zugänglich sind).

Die Entdeckungsreise durch die Welt der Graun’schen Opera seria, die Lezhneva gemeinsam mit dem Pianisten und Dirigenten Mikhail Antonenko unternahm, förderte zahlreiche Schätze ans Licht. Die Tragedia per musica «L’Orfeo» (1752) ist mit drei Arien verschiedener Protagonisten vertreten. Sie machen neugierig auf ein Stück, in dem neben Orpheus und seiner Geliebten auch deren Rivalin Aspasia oder Orpheus’ Bruder Aristeo auftreten. Schon in diesen drei Stücken bietet Graun ein weites ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Thomas Seedorf

Weitere Beiträge
Totales Theater

Die leere, mit Holzplanken ausgelegte Bühne ragt bis in den Zuschauerraum hinein, das brutal-schöne Bild eines im Wasser liegenden, nur mit einem Slip bekleideten toten Mädchens wird projiziert. In pausenlosen 100 Minuten werden wir zu Augen- und Ohrenzeugen des Menschenschlachthauses, das Aischylos, der älteste der griechischen Tragiker, vor zweieinhalb...

Weiter leben

Neun Meter, das ist viel. Zu viel. Man bräuchte den Hals einer Giraffe, um ganz bis nach oben zu gelangen, und selbst dann wäre es noch schwierig, den Gipfel dieser Vitrine zu erklimmen, über 90 Bibelbilder hinweg. So also bleibt in der gotischen Kreuzkirche der beeindruckte Blick hinauf zur Spitze des berühmten Zittauer Fastentuches, vollendet anno Domini 1472...

Wimmelbilder

Lassen wir Jonas Kaufmann einfach mal in Ruhe. Der Mann steckt wahrscheinlich gerade in der heikelsten Phase seiner Laufbahn. Mehrere Monate musste er wegen eines Hämatoms auf den Stimmbändern pausieren. Bekanntlich sind Monate, in denen Sänger nicht auftreten dürfen, viel anstrengender als solche, in denen sie gut zu tun haben. Zur nervlichen Belastung und einem...