Vollblut
Nanu, was ist denn das? Den Besucher grüßt beim Betreten des Parketts ein sommerlich-heiterer Bühnenprospekt mit fröhlichen, Luftballons schwenkenden Kids auf der grünen Wiese. Wie ein Foto vom letzten Kindergeburtstag. Davor hocken Kinderdarsteller am Boden; wie sich dann herausstellt, sind es die Atridengeschwister Elektra, Chrysothemis, Orest und Iphigenie in frühem Alter. Nein, man ist doch nicht im falschen Film.
Mit einem klugen Einstieg macht der Szenograf Markus Dietz deutlich, dass die Handlung der «Elektra» von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal in kindlicher Traumatisierung wurzelt.
Wenn dann die musikalische Tragödie anhebt, mit dem zerschmetternden Tutti des Agamemnon-Motivs, wird es schnell blutig. Die Kinder besudeln nun die weiß segmentierte Bühnenwand mit Blut aus Eimern, auch von oben rinnt es reichlich rot. Die weiße Wand voller Blut, zunächst hart an der Rampe, dann manchmal zurückgefahren, bleibt das bestimmende Bühnenelement. Sie wird nach und nach ein- und aufgerissen, so dass Zugangslöcher und Fensterhöhlungen entstehen. Die Suggestion eines Palastes verschmilzt mit der einer Höllenszenerie, zumal, wenn der oft schwarze Hintergrund in grelles Rot ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Hans-Klaus Jungheinrich
Geliebt wird man nur, wenn man Schwäche zeigen darf. Nicolai Gedda zeigte Schwäche bei einem Liederabend in der Hamburger Oper, den er im Herbst seiner Karriere gab. Im Herbst? Es war am 19. Januar 1998, er war 72 Jahre alt. Am Ende des ersten Teils mit Liedern von Richard Strauss hatte er gegen einen «Frosch im Hals» kämpfen müssen. Nach der Pause, nun mit...
Mittwoch, 8. März. Ich sitze im Flugzeug Richtung Pesaro, jedoch zur falschen Jahreszeit. Es fühlt sich auch falsch an, denn normal herrscht Vorfreude auf unerhörte Belcanto-Schätze, Sänger-Entdeckungen und vor allem die Gesellschaft meines Freundes Alberto Zedda. Er, der das Pesaro Festival kreierte und seit je (beg-)leitet, steht heute ebenso für diese Stadt wie...
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