Luftballons und Zipfelmützen

Die Kölner Kinderoper feiert ihren 20. Geburtstag mit einem frohsinnig-jazzigen Hoch auf die «Heinzelmännchen»

«Wie war zu Cölln es doch vordem mit Heinzelmännchen so bequem! Denn, war man faul, man legte sich hin auf die Bank und pflegte sich.» So eröffnete August Kopisch sein bekanntestes Werk, das Gedicht «Die Heinzelmännchen zu Köln». Dabei hatte Kopisch wirklich Interessanteres vorzuweisen: Landschaftsgemälde etwa von seinem mehrjährigen Aufenthalt in Neapel, ein interaktives Panorama, das er mit dem Architekten Carl Ferdinand Langhans entwickelt hatte, Erzählungen oder die Übersetzung von Dantes «Göttlicher Komödie».

An all das erinnert sich heute niemand mehr – wohl aber an die «Heinzelmännchen». Der Erfolg ist leicht zu deuten: Im Gedicht von den faulen Kölner Bürgern, die aus ihrem Traum vom Schlaraffenland rüde erwachen, blickte der preußische Hofbeamte Kopisch mokant auf das notorische Laissez-faire in der Rheinprovinz, das bis heute seine Attraktion nicht verloren hat.

Ob das jüngste Desaster um die gestoppte Sanierung der Kölner Oper auf rheinische Faulheit oder vorsätzliche Sabotage zurückzuführen ist, müssen die Juristen klären. Manche Institutionen trifft die Verschiebung der Wiedereröffnung des Hauses am Offenbachplatz besonders hart – vor allem die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Michael Struck-Schloen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Was kommt...

CHAYA CZERNOWIN
Was heißt Komponieren für Stimme? Diese Frage hat Chaya Czernowin schon in ihrem ersten Bühnenwerk «Pnima» (2000) beschäftigt. Sie steht auch im Zentrum ihrer neuen Oper «Infinite now» (Uraufführung: April 2017, Vlaanderen Opera). Ein Gespräch

ZEITGEISTOPER?
Knüpfen sie an die Tradition der «Zeitoper» des jungen Weill, Krenek oder Hindemith...

Kauft Schwimmwesten!

Es war einmal eine Zeit, in den langen Jahren unter Helmut dem Zweiten, da war der Blick auf die Weltläufte von Gewissheiten geprägt. Zumal in Deutschland war jedem unter uns Nachgeborenen sonnenklar, wie er sich 1933 verhalten hätte: im besseren Wissen um das Richtige und das Falsche. Und damit auch die Rotkäppchen unter den Opernbesuchern nicht lange...

Editorial

Es gibt drei Arten von Dramaturgen, lautet eine unter Theaterschaffenden kursierende ironische Gewissheit. Erstens den reinen Produktionsdramaturgen; er ist zuständig fürs Denken, schaut dem Regieteam bei den Proben mit Adleraugen über die Schulter, überprüft Schlüssigkeit und Sinnlichkeit der szenischen Ideen. Der zweite Typus kümmert sich vor allem ums...