Im Zeichen des Dollars

In New York bemüht sich das Center for Contemporary Opera um neue Stücke

An der Metropolitan Opera werden Programmhefte nicht verkauft, sondern mit vollen Händen ausgeteilt. Für die Werkeinführung müssen ein paar Absätze genügen, ansonsten: Werbung, Sponsorenlisten. In den USA, wo die Subventionen nicht der Rede wert sind, müssen Opernhäuser um jeden Dollar kämpfen. Selbst dieser Pilgerort der Afficionados, an dem Simon Rattles «Tristan»noch besser klingt als in Baden-Baden und Berlin, mit «seinen» Philharmonikern. Wo Nina Stemme jetzt als Isolde, Gerald Finley als Tell triumphierte.

Wo gerade jemand während einer der «Guillaume Tell»-Aufführungen die Asche eines besonders hingebungsvollen Fans in den Orchestergraben rieseln ließ und damit ein Anti-Terror-Kommando auf den Plan rief.

Auf der anderen Seite des Central Park, im Kaye Playhouse des Hunter College an Manhattans Upper Eastside, hat man im Graben keine Probleme mit Kremiertem, sondern mit dem Schlagzeug. Das muss hinter die Bühne und zugespielt werden, aus Gründen der Balance, aber die Mikros stehen ungünstig. Louis Karchin runzelt die Stirn: «Zu viel Marimba», sagt er besorgt. Immer wenn’s gefühlvoll wird auf der Bühne, wo man Karchins zweite Oper – die Vorlage ist Charlotte Brontës «Jane ...

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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Wiebke Roloff

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