Eklektik mit Esprit

Um das Spätwerk Donizettis machen Intendanten nach wie vor einen Bogen – Plädoyer für einen verkannten Schatz

«L’elisir d’amore» und «Lucia di Lammermoor» gehören längst zum Kanon, auch «Don Pasquale» ist kein Unbekannter. Doch wer kennt die späten, für Paris und Wien entstandenen Opern von Gaetano Donizetti? Aus ihnen spricht ein europäischer Geist, der sehr genau die Erwartungen seines jeweiligen Publikums registrierte. Dass Donizetti nie einen starken Personalstil ausprägte, wurde ihm immer wieder vorgehalten – bis heute. Selbst die beiden Werke, die der Mann aus Bergamo als seine Meisterstücke bezeichnete – «Maria di Rohan» und «Dom Sébastien» – werden kaum aufgeführt.

Dabei können sie es mit den Besten ihrer Zeit aufnehmen. 

 

Der Regisseur Calixto Bieito erklärte kürzlich in einem Interview, Donizetti wolle er nicht inszenieren. Die Ablehnung ist nicht neu – schon zu Lebzeiten zog sich der Komponist die Häme seiner Kollegen zu. Einig in ihrer schnöden Verachtung waren sich, um nur zwei zu nennen, Schumann («Puppentheatermusik») und Wagner («Leierkasten-Blödsinn»). Wagner verzieh dem Rivalen nie, dass er sich im angeblichen Hungerwinter 1840 in Paris mit Klavierauszügen und Arrangements von «La Favorite» durchschlagen musste – während seinen «Rienzi» in der französischen Hauptstadt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2016
Rubrik: Gaetano Donizetti, Seite 86
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
460 Millionen

Die Sanierung der Oper und des Schauspielhauses in Köln gleicht einer Tragödie mit unzähligen Akten. Und noch weiß niemand, wie viele noch kommen werden, ein Ende des Dramas ist nicht abzusehen. Wenn das in die Jahre gekommene, von dem Kölner Architekten Wilhelm Riphahn entworfene Nachkriegsensemble am Offenbachplatz erst einmal wiederhergestellt und modernisiert...

Schwebungen zwischen Leben und Tod

Gleich mit zwei neuen Stücken bereicherte Georg Friedrich Haas die vergangene Spielzeit: Im November 2015 stellte Londons Royal Opera House «Morgen und Abend» auf ein Libretto von Jon Fosse vor, koproduziert mit der Deutschen Oper Berlin. Im Mai 2016 folgte in Schwetzingen und kurz darauf in Darmstadt «Koma» nach einem Text von Händl Klaus, die «Uraufführung des...

Expedition zwischen Struktur und Natur

Ende 1910 machen sich der Norweger Roald Amundsen und der Brite Robert Scott auf, den Südpol zu entdecken. Beide werden ihn erreichen, mehr als ein Jahr später, der Norweger als Erster, der Brite als Zweiter. Scott und sein gesamtes Team kommen auf dem Rückweg um. In der Geschichte der Entdecker, der Expeditionen und der großen Abenteuer ist der Kampf um den Südpol...