Aus der Werkstatt

Seit mehr als zwanzig Jahren arbeiten Jossi Wieler und Sergio Morabito zusammen. Seit fünf Jahren leiten sie die Stuttgarter Oper. Ein Gespräch über Kontinuität und Kommunikation, Textexegese und Körperspiel, das Eigene, das Fremde und den produktiven Mut zur Lücke

Eigentlich haben sie in der vergangenen Saison nur das getan, was sie immer tun. Genau hingeschaut. Sich tief in Stücke und Stoffe versenkt, in Geschichten und Figuren. Alle Kraft für «ihre» Künstler, für «ihr» Theater reserviert. Doch diesmal ist Intendant Jossi Wieler und Chefdramaturg Sergio Morabito eine Saison geglückt, die noch lange nachhallen dürfte. Nicht nur mit den eigenen Arbeiten («Fidelio», «I puritani»), sondern auch mit dem Engagement von Gastregisseuren wie Kirill Serebrennikov («Salome») oder Nicola Hümpel («Reigen»).

Diversität szenischer und musika­lischer Handschriften, Stabilität im Ensemble und Betrieb – mit dieser Mischung lassen sich Berge versetzen. Das «Opernhaus des Jahres» steht in Stuttgart.

 

Herr Wieler, Herr Morabito, wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, als festes Team Oper zu inszenieren?
Wieler: Es hat mit einem Angebot von Klaus Zehelein angefangen. Eines ­Tages fragte er mich, ob ich mir vorstellen könne, zusammen mit Anna Viebrock Mozarts «La clemenza di Tito» auf die Bühne zu bringen. Zehelein hatte 1991 die Leitung der Oper Stuttgart übernommen, zwei Jahre später machte er mir den Vorschlag; die Premiere war für Frühjahr 1994 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2016
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 4
von Albrecht Thiemann & Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Expedition zwischen Struktur und Natur

Ende 1910 machen sich der Norweger Roald Amundsen und der Brite Robert Scott auf, den Südpol zu entdecken. Beide werden ihn erreichen, mehr als ein Jahr später, der Norweger als Erster, der Brite als Zweiter. Scott und sein gesamtes Team kommen auf dem Rückweg um. In der Geschichte der Entdecker, der Expeditionen und der großen Abenteuer ist der Kampf um den Südpol...

Wichtige Sängerinnen und Sänger der Saison

Eine «glänzende Charakterstudie» lieferte Matthias Klink nicht nur als «verklemmt-arroganter» Dichter in Philippe Boesmans’ Schnitzler-Oper «Reigen» (auf dem Foto mit
Melanie Diener; OW 6/2016). An seinem Stuttgarter Stammhaus gab er in Strauss’ «Salome» einen Herodes von zwingender Intensität: ausgefeilt das Spiel, klangschön, deklamatorisch, «ohne...

Wichtige Aufführungen des Jahres

Was hier Mensch ist und was Tier, wer Mann und wer Frau, bleibt in dämonischem Dunkel. Normales Maß gilt nicht mehr in dieser Todeslandschaft. «Kalter Glanz» fällt auf «Vogelleichen», aus deren ­Grabhügel ragt «eine Menschenhand». Barrie Kosky und Teodor Currentzis gelang in Zürich ein im Wortsinn atemraubender «Macbeth» (OW 6/2016).

Eine exemplarische Produktion:...