Du gehörst nur mir

Verdi: Rigoletto Nürnberg / Staatstheater

«Ich bin dein Vater, deine Mutter, deine Oma und deine Schwestern», soll der Entführer Wolfgang Priklopil zu Natascha Kampusch gesagt haben, die er als Kind verschleppte und acht Jahre in einem Keller gefangen hielt. «Ich bin jetzt alles für dich. Du gehörst nur mir.» Im Programmheft zum neuen Nürnberger «Rigoletto» sind diese Sätze nachzulesen. Die junge Regisseurin Verena Stoiber zieht Parallelen zwischen Kampuschs Bericht und Verdis Oper: Gilda ist hier nicht Rigolettos Kind, sie wurde von ihm entführt und in einem Kellerverlies großgezogen.

Aus Tochterliebe wird Stockholm-Syndrom, aus Vaterliebe verlogene Farce. Die engen Bande, die Verdi mit innigen ­Duetten feiert, setzt das in ein beklemmendes Licht.

Stoiber beweist Mut mit einer solchen Deutung. Der war von ihr und Ausstatterin Sophia Schneider auch zu erwarten: Gemeinsam haben beide im Jahr 2014 den renommierten RING-Award für Regie und Bühnengestaltung gewonnen, die Produktion am Staatstheater Nürnberg ­erhielt das Team als Preis. Für «Rigoletto» entwirft Schneider einen düsteren Hinterhof, zeigt Müllsack und weiße Plastikstühle vor südländischen Fassaden. Stoiber lässt darin eine grobe, sexualisierte Männergesellschaft ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Eva Kröner

Weitere Beiträge
Wir sind das Folk

Vor einem Vierteljahrhundert schien der Begriff «Volk» willkommen, vor allem durch die Parole frei nach Georg Büchner, die zur Wende führte. Mittlerweile scheint das Volkshafte jedoch wieder gefährlich beim «Völkischen» anzuklopfen, und auch das Volkslied hat diesbezüglich erneut einen gewissen Ruch nationaler Enge gewonnen. Dass Christian Gerhaher also dieses...

Von wegen Patina!

Zwei frühe Tondokumente des Dirigenten Carlo Maria Giulini, die auf dem deutschen Markt weitgehend ignoriert wurden, hat Günter Hänssler jetzt in seiner Profil-Edition neu aufgelegt. Sie bereichern die Diskografie dieses Musikers, auch in Hinblick auf sein Repertoire, in dem er später andere Schwerpunkte setzte.

«Iphigénie en Tauride», 1952 nach einer...

Schichtarbeit

Im Vereinigten Königreich hatte sich bislang noch niemand an Enescus «Oedipe» herangetraut. Jetzt zeigt Covent Garden endlich die 1936 in Paris uraufgeführte Oper – gerahmt von zwei nagelneuen Werken, Mark Simpsons «Pleasure» (eine Koproduktion mit Aldeburgh Music und Opera North) und Philip Venables «4.48 Psychosis» (mit Lyric Hammersmith und der Guildhall...