Aus dem Geist der Sinfonie
Der verneinende Geist hat Konjunktur, auch auf Opernbühnen. Zu Beginn der Spielzeit München, an Pfingsten Baden-Baden – dazwischen jetzt Freiburg: Arrigo Boitos «Faust»-Oper mit der gezielten Titelwahl «Mefistofele» scheint Regisseure und Dramaturgen herauszufordern. «Und was in schwankender Erscheinung schwebt / Befestiget mit dauernden Gedanken.» Das Schweben nimmt Regisseur Ludger Engels durchaus wörtlich. Im Prolog präsentieren er und sein Ausstatter Ric Schachtebeck eine Art schwebende Glasvitrine, in die fortwährend Bühnennebel gepumpt wird.
Der Geist ist domestiziert und gefangen. Oder alles nur Trugbild? Engels’ Theater zeigt sich skeptisch gegenüber der Illusion, romantisches Instrumentarium wie Harfe und Donnerblech werden von der Bühne aus bespielt – WYSIWYG («What you see is what you get») sagt man im digitalen Zeitalter wohl dazu. Und man bekommt einiges zu sehen – eine Vertikalseilartistin etwa, die zum Chor der Büßerinnen im Prolog vergeblich versucht, den Höhen entgegenzuschweben.
Obsiegt also das Böse, triumphiert Mephisto? Engels hat richtig erkannt, dass der verneinende Geist keinen wirklichen Gegenspieler hat in dieser Oper. Einfache Antworten gibt es nicht: Ist ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Alexander Dick
Die Ponys hören zu. Erst eines. Ein Ganzton, dann ein Halbton aufwärts, lange und leise gehalten. Dann kommen fünf weitere dazu, schmiegen sich unter die Gesangsphrase ihres Herrn. Jedes hat seinen eigenen Rhythmus, seine eigene triolische Bewegung, seine eigene chromatische Linie. Alle sind genau in der Partitur notiert, im Bassschlüssel. Sechs Ponys, das sind...
Als Parabel für moralische und psychische Verwahrlosung durch Machtgier ist «Macbeth» von zeitloser Aktualität. Angesichts der dramatischen Weltlage scheint Verdis Humanismus brisanter denn je. Allerdings gibt es in dieser Oper einige steinharte Regie-Nüsse zu knacken: Was macht man mit den Hexen und ihren chorischen Weissagungen? Wie bebildert man Macbeths...
Oscar Wilde wusste genau, was er wollte: «... und dann an Stelle des Orchesters große Pfannen mit Parfüm: Die wohlduftenden Wolken steigen auf und verhüllen von Zeit zu Zeit die Bühne.» So stellte er sich seine «Salome» vor. Als Rausch, der alle Sinne anspricht, eine Feier spätantiker Dekadenz, ausgestattet in überbordendem byzantinischen Luxus. Ein Ambiente, das...
