Wagners vielschichtigste Frauenfigur

Ein «Versuch über Kundry» aus wechselnder Perspektive

Opernwelt - Logo

Richard Wagner war einer der ersten Komponisten, der nicht den Notentext, sondern die Aufführung als «Werk» verstand: Ein Kunstwerk, so seine Überzeugung, existiere nur dadurch, dass es «zur Erscheinung» komme. Und für das Drama sei das nun mal die Aufführung auf der Bühne. Damit unterschied sich Wagner nicht nur von starken Tendenzen der zeitgenössischen Ästhetik (wie sie insbesondere von Brahms, Hanslick, Spitta, Kalbeck und Co. vertreten wurde), sondern er nahm Grundpositionen der späteren Theaterwissenschaft vorweg, die sich denn auch gern mit ihm auseinandersetzt.



Die Materie ist freilich komplex und erfordert einen Methodenmix der Analyse: Erst so lässt sich ein wissenschaftlicher Zugang zu den Musikdramen legitimieren. Es kann nur um den Versuch gehen, dem Gegenstand methodisch auf dem neuesten Stand zu begegnen.

Einen solchen Versuch hat die Japanerin Chikako Kitagawa mit ihrer nun im Druck vorliegenden, an der Freien Universität Berlin entstandenen Dissertation unternommen. Dass die Formulierung vom «Versuch» im Titel des Buches auftaucht, dürfte weniger als Gruß an Adornos «Versuch über Wagner» gedacht sein (der natürlich in die Analyse hereinspielt), sondern als Zeichen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Verdis Amneris schreibt Briefe

Die wichtigste Sängerin in Verdis Leben nach Giuseppina Strepponi, der ersten Abigaille im frühen «Nabucodonosor», war die aus der Nähe von Prag stammende Teresa Stolz(ová). Bei den Proben zu «Aida», in der sie 1872 die Titelrolle sang, und zur «Messa da Requiem» kam ihr der Komponist so nahe, dass Strepponi, nach langen Jahren als Konkubine schließlich Verdis...

Tödlicher Hintergrund

Enrique Granados ereilte der Tod auf der Heimreise von einem seiner größten Erfolge. Zu Beginn des Jahres 1916 hatte die New Yorker Met seine Oper «Goyescas» uraufgeführt, doch während der Rückreise in die spanische Heimat torpedierte ein deutsches U-Boot das britisch-französische Fährschiff «Sussex». Der Pianist und Komponist hatte gleich mehrfaches Unglück im...

Nebel des Grauens

Londons Nebel war notorisch. Aber er gab der Metropole an der Themse zugleich eine ganz spezielle Note, machte sie angeblich so unvergleichlich, dass nicht mal Flugzeuge abreisen wollten. So zumindest der Aphorismus eines Satirikers. Fog und Smog soll es schon im London des 13. Jahrhunderts gegeben haben; die Emission von schwefelhaltigem Rauch durch Kohleheizungen...