Auf Sparflamme

Humperdinck: Hänsel und Gretel Wien / Staatsoper

Wir blicken auf Christian Thielemanns Scheitel vorne am Pult des Staatsopernorchesters und wissen, dass wir hier richtig sind: im deutschen Wald. Wunderbar süffig erzählen die Hörner vom Abendsegen, flauschig übernehmen die Streicher, pikant assistiert das Holz. Mit Akribie führt einer der zur Zeit besten Wagner-Dirigenten vor, was Engelbert Humperdinck von Richard gelernt hat. Meistersinger-Anklänge, Reminiszenzen ans Waldweben, an die Riesen, ein Schlaglicht aus Siegfrieds Rheinfahrt.

Eventuell auch ein paar Orchesterfarben vom jungen Richard Strauss, der zu Weihnachten 1893 in Weimar die Uraufführung dieser Oper dirigierte. Und vielleicht auch ein Bukett von dessen Wiener Namensvetter Johann (etwa in den walzerseligen Knusperszenen des dritten Bildes). Die süffisante Behauptung, die Partitur von «Hänsel und Gretel» sei wie eine vor einen Spielzeugzug gespannte Dampflokomotive, zählt an diesem Abend nicht, denn der Dirigent legt Wert auf ein recht durchsichtiges Klangbild: Viele Details hört man feinst poliert – alles in allem ein Präzedenzfall.

Thielemanns Dirigat fungiert denn auch als pièce de résistance dieser Produktion – der ersten dieses Werks an der Wiener Staatsoper seit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Unter Druck

Das kann sich nur ein Opernhaus mit einem richtig guten Chor leisten: die Sänger in Parkett und Rängen unters Publikum zu mischen, ohne dass homogener Sound und differenzierte Musikalität verloren gehen. Auf William Spauldings exzellente Truppe an der Deutschen Oper ist da Verlass. Die Chöre in Verdis «Aida», von der Saalmitte aus gehört – in Benedikt von Peters...

Magischer Expressionismus

Eigentlich ein ganz normaler Ort, so ein Hotelzimmer. Das gilt selbst dann, wenn es mit einem Konzertflügel und Wandschmuck à la Louis XV., mit Flachbildschirm und Baldachin überm Bett ausgestattet ist. Doch normal ist wenig von dem, was in den zwei pausenlosen Stunden an der Bayerischen Staatsoper in diesem Hotelzimmer geschehen wird: Da macht sich schon bald das...

Hyperaktiv

Manchmal muss auch der Musikkritiker zum Äußersten greifen – zum Beispiel zu der Presse-Werbe-CD mit ein paar Ausschnitten aus der Musik, die er eigentlich gerade im Theater gehört hat. Es ist, stellt er beim Nachhören fest, eine Musik von sanftem Schmelz und federndem Esprit, gemacht mit dem Willen und der Fähigkeit zu kunstvoller Einfachheit, zum feinen Sentiment...